„Es ist doch nur ein Wettbewerb“ – wenn Konkurrenz die einen antreibt und die anderen blockiert
Vor der Rangliste. Zofia schiebt ihre Karte auf Platz eins.
– Yes! Erster Platz. Noch zwei Tage!
– Es ist doch nur ein Wettbewerb – sagt Maja.
Für Zofia gibt die Rangliste Energie. Für Maja macht sie aus einem normalen Ergebnis ein Rennen gegen Menschen, mit denen sie überhaupt nicht konkurrieren möchte.
Was bringt dir Empatyzer?
Allgemeine Führungsregeln scheitern oft an den Besonderheiten eines konkreten Menschen. Em basiert auf einer multidimensionalen Diagnose – so weißt du, wie du Introvertierte erreichst und wie du mit stark wettbewerbsorientierten Personen sprichst. Präzise zwischenmenschliche Kommunikation bei der Arbeit reduziert Rätselraten und schafft psychologische Sicherheit im Team. Deine Leute fühlen sich wertgeschätzt, weil du sie als Individuen behandelst.
Video auf YouTube ansehenWas wirklich passiert ist
Zofia schaut auf die Rangliste und bekommt sofort Energie: Es gibt ein Ziel, einen Stand und die Möglichkeit zu gewinnen. Maja sieht dieselbe Rangliste und erkennt eine zusätzliche Druckschicht, die sie für gute Arbeit nicht braucht. Ihr Ergebnis beantwortet nicht mehr nur die Frage „Habe ich das gut gemacht?“, sondern plötzlich auch „Habe ich es besser gemacht als die anderen?“. Zofia kann einen Wettbewerb wirklich als Spiel erleben. Maja kann tatsächlich schlechter arbeiten oder sich schlechter fühlen, gerade weil die Aufgabe in ein Rennen verwandelt wurde. Es gibt keine universelle Dosis an Konkurrenz, die alle Menschen motiviert.
Was die Forschung dazu sagt
Forschung zeigt, dass Menschen sich in ihrer stabilen Neigung unterscheiden, Situationen als Wettbewerb zu erleben und aus dem Gewinnen Motivation zu ziehen (trait competitiveness). Stärker wettbewerbsorientierte Personen können selbst in nur leicht konkurrierenden Situationen ein Rennen erkennen (Reese, Garcia & Edelstein, 2022). Leistungsrankings können Anstrengung tatsächlich steigern, ihre Wirkung hängt jedoch unter anderem von der Darstellung des Rankings, von Belohnungen und von den Eigenschaften der Teilnehmenden ab (social comparison; Cadsby et al., 2019). Experimentelle Forschung zu Managementsystemen zeigt außerdem, dass Organisationen ständig zwischen Mechanismen balancieren, die Zusammenarbeit oder Wettbewerb stärken (Brown et al., 2016). Ein Wettbewerb ist daher ein Werkzeug und keine universelle Motivationsquelle.
Wie man damit umgehen kann
Wenn Wettbewerb für die Aufgabe nicht wirklich nötig ist, kann er als Option für Menschen bestehen bleiben, die ihn mögen. Ergebnisse lassen sich individuell zeigen, und Teamziele können von privatem Wettkampfbedürfnis getrennt werden. Wenn Rankings Teil des Arbeitssystems sind, sollte man nicht nur höhere Werte beobachten, sondern auch Nebenwirkungen: riskanteres Verhalten, Zurückhalten von Informationen, sinkende Zusammenarbeit oder Spannung. Die allgemeine Regel lautet: Bevor du Konkurrenz als „Motivator“ einsetzt, prüfe, ob die Menschen tatsächlich ein Spiel mit Gegnern brauchen oder ob ihnen ein klares Ziel und Information über den eigenen Fortschritt genügt.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann in dieser Situation sehr konkret helfen, weil Reiss 16 Unterschiede darin sichtbar macht, was Menschen antreibt: Für manche sind Status, Ergebnis und Wettbewerb Energiequellen, für andere sind Ruhe, Zusammenarbeit, Autonomie oder Sinn der Aufgabe wichtiger. Zofia kann so erkennen, dass ein Ranking keine „neutrale Motivationsmethode“ ist, sondern ein Werkzeug, das auf verschiedene Menschen unterschiedlich wirkt. Em kann helfen, Alternativen zu entwerfen: Wettbewerb für Freiwillige, individuelle Ziele für andere und ein gemeinsames Ergebnis dort, wo Zusammenarbeit entscheidend ist. Die Teamebene macht sichtbar, ob eine Kultur des ständigen Wettkampfs nur einen Motivationstyp bevorzugt. Mikrolektionen zeigen Führungskräften, dass Motivation nicht darin besteht, einen besonders starken Reiz zu finden, sondern darin, nicht alle Menschen in denselben Reiz hineinzuzwingen.
Quellen und Forschung
- Zachary A. Reese; Stephen M. Garcia; Robin S. Edelstein (2022). More than a game: Trait competitiveness predicts motivation in minimally competitive contexts. Personality and Individual Differences, 185, 111262. https://doi.org/10.1016/j.paid.2021.111262 DOI: 10.1016/j.paid.2021.111262
- C. Bram Cadsby; Fei Song; Jim Engle-Warnick; Tony Fang (2019). Invoking social comparison to improve performance by ranking employees: The moderating effects of public ranking, rank pay, and individual risk attitude. Journal of Economic Psychology, 72, 64-79. https://doi.org/10.1016/j.joep.2019.02.004 DOI: 10.1016/j.joep.2019.02.004
- Joan L. Luft (2016). Cooperation and competition among employees: Experimental evidence on the role of management control systems. Management Accounting Research, 31, 75-85. https://doi.org/10.1016/j.mar.2016.02.006 DOI: 10.1016/j.mar.2016.02.006
Autor: Empatyzer
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