„Als ich in deinem Alter war …“ – Wenn ein Rat wie ein Vergleich klingt

Büro, Gespräch über einen gefährdeten Termin. Olek bittet Marek um Hilfe bei der Frage, wie er aus der Situation herauskommt.

– Ich weiß nicht, wie ich das lösen soll, ohne den Termin zu sprengen.
– Als ich in deinem Alter war, hat uns niemand an die Hand genommen. Man hat gearbeitet, bis es fertig war.
– Mhm.

Marek möchte mit seiner Erfahrung helfen. Olek hört statt einer Lösung für sein Problem zunehmend einen Vergleich mit Mareks eigener Geschichte.

Was bringt dir Empatyzer?

Manchmal sind Reaktionen von Kolleginnen und Kollegen schwer zu verstehen – das führt zu Missverständnissen und Stress. Das System erklärt diese Mechanismen anhand der Diagnose, ohne jemanden in Schubladen zu stecken, und zeigt Wege zur Einigung. Du bekommst individuelles Training der zwischenmenschlichen Kommunikation genau im Krisenmoment. Statt zu raten erhältst du einen konkreten Hinweis, wie du die Stimmung entschärfst.

Video auf YouTube ansehen

Was wirklich passiert ist

Olek kommt mit einem konkreten Problem: Der Termin ist gefährdet, und er braucht Hilfe bei der Entscheidung, worauf er verzichten kann. Marek will helfen und greift deshalb auf seine eigene Erfahrung zurück. Für Marek soll die Geschichte „Ich hatte es früher auch schwer und habe es geschafft“ Mut machen und zeigen, dass die Schwierigkeit zu bewältigen ist. Olek hört jedoch etwas anderes: „Ich kam in deinem Alter damit klar, also solltest du es auch können.“ Die Erinnerung des Mentors wird zum Vergleich statt zum Werkzeug für das aktuelle Problem. Der zentrale Fehler besteht darin, dass Marek Rat gibt, bevor er wirklich geklärt hat, welche Art von Hilfe Olek überhaupt sucht.

Was die Forschung dazu sagt

Eigene Erfahrungen sind im Gedächtnis besonders leicht verfügbar. Deshalb überschätzen Menschen mitunter, wie gut ihre eigene Reaktion oder Entscheidung auf die Situation anderer übertragbar ist. Die Psychologie zeigt seit Langem, dass Menschen dazu neigen, ihre eigenen Reaktionen und Entscheidungen für verbreiteter zu halten, als sie tatsächlich sind (false consensus effect; Ross, Greene & House, 1977). Studien über Rat und Urteilsbildung zeigen außerdem, dass die eigene Perspektive ein besonderes Gewicht erhält, weil wir alle Gründe kennen, die hinter unserem eigenen Urteil stehen, und deutlich weniger über die Gründe der anderen Person wissen (egocentric weighting; Yaniv & Kleinberger, 2000). Das heißt nicht, dass persönliche Geschichten schlechte Ratschläge sind. Problematisch wird es, wenn die eigene Biografie die Diagnose der Situation des anderen ersetzt.

Wie man damit umgehen kann

Vor einem Rat hilft eine einfache Frage: „Was brauchst du gerade von mir – eine Idee, eine Entscheidung, Erfahrung aus einer ähnlichen Situation oder einfach jemanden, der die Optionen mit dir durchgeht?“ Wenn die eigene Geschichte wirklich passt, sollte sie als Möglichkeit angeboten werden, nicht als Maßstab: „Bei mir hat damals X funktioniert, aber deine Situation kann anders sein. Was davon ist für dich hilfreich?“ Allgemein gilt: Die Erfahrung eines Mentors ist eine Ressource, kein Maßstab, an dem die Situation des anderen bewertet werden sollte.

Wie Empatyzer und Em helfen können

Empatyzer kann Marek helfen, seine Erfahrung so einzusetzen, dass sie Olek tatsächlich unterstützt, statt ungewollt zum Maßstab seiner Reife zu werden. Die Diagnose zeigt Unterschiede in Motivatoren, Autonomiebedürfnis und Art, um Hilfe zu bitten. Der Profilvergleich kann Em dazu bringen, Marek zuerst eine kurze Frage vorzuschlagen: „Was brauchst du von mir – meine Erfahrung, eine Entscheidung oder gemeinsames Abwägen?“ Erst danach wird seine Geschichte zur Ressource statt zum Vergleich „Ich habe es geschafft, also solltest du es auch schaffen“. Em kann Olek wiederum helfen, die gewünschte Unterstützung präziser zu benennen. Wenn dieser Mentoringstil häufiger vorkommt, machen Teamdaten ihn sichtbar. Mikrolektionen festigen die Regel, dass guter Rat mit dem Verstehen des Problems des anderen beginnt – nicht mit der Erinnerung an das eigene.

Quellen und Forschung

  1. Ross, L., Greene, D., & House, P. (1977). The “false consensus effect”: An egocentric bias in social perception and attribution processes. Journal of Experimental Social Psychology, 13(3), 279–301. https://doi.org/10.1016/0022-1031(77)90049-X DOI: 10.1016/0022-1031(77)90049-X
  2. Lee Ross (1977). The Intuitive Psychologist and His Shortcomings: Distortions in the Attribution Process. Advances in Experimental Social Psychology, 10, 173-220. https://doi.org/10.1016/S0065-2601(08)60357-3 DOI: 10.1016/S0065-2601(08)60357-3
  3. Ilan Yaniv; Eli Kleinberger (2000). Advice taking in decision making: Egocentric discounting and reputation formation. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 83(2), 260-281. https://doi.org/10.1006/obhd.2000.2909 DOI: 10.1006/obhd.2000.2909

Autor: Empatyzer

Veröffentlicht:

Aktualisiert:

 

""