„Wenn du mal Zeit hast …“ – wenn Höflichkeit die Frist versteckt
Büro, ein ganz normaler Arbeitstag. Tomasz sitzt an seinem Schreibtisch, als Helena mit einem Bericht zu ihm kommt.
– Tomasz, könntest du dir den Bericht vielleicht irgendwann ansehen, wenn du mal Zeit hast?
– Klar, Helena. Wenn ich Zeit habe.
Helena geht davon und rechnet damit, dass der Bericht noch heute fertig wird. Tomasz widmet sich wieder seiner Arbeit und ist sicher, dass er sich später darum kümmern kann.
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Wenn es darum geht, Absprachen abzuschließen, wird wirksame zwischenmenschliche Kommunikation bei der Arbeit entscheidend für die Teamresultate. Em liefert fertige Gesprächsskripte, die auf dem einzigartigen Zusammenarbeitsstil deiner Mitarbeitenden basieren – das reduziert Reibung deutlich. Unterstützung jederzeit verfügbar hilft Führungskräften, ihre Skills in der Praxis zu verbessern, ohne Stress und ohne von HR bewertet zu werden.
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Helena wollte höflich sein und keinen Druck machen. Deshalb sagte sie „vielleicht“, „irgendwann“ und „wenn du mal Zeit hast“. In ihrem Kopf war die Frist trotzdem eindeutig: heute. Tomasz konnte diese unausgesprochene Erwartung nicht kennen. Er hörte genau das, was gesagt wurde: Die Aufgabe soll erledigt werden, aber ohne klaren Termin. Beide handeln nach ihrer eigenen Logik. Helena geht davon aus, dass eine vorsichtige Formulierung nichts an der Dringlichkeit ändert. Tomasz geht davon aus, dass ein wichtiger Termin ausdrücklich genannt wird. Die beiden passen gut zu dieser Szene: Helena formuliert von Natur aus eher weich, Tomasz orientiert sich stärker am wörtlichen Inhalt.
Was die Forschung dazu sagt
Menschen vermitteln einen Teil ihrer Bedeutung oft indirekt und erwarten, dass das Gegenüber ihn aus dem Kontext erschließt. Viele höfliche Bitten funktionieren so. Schwierig wird es, wenn zwei Menschen unterschiedliche Regeln dafür verwenden, was aus einer Andeutung herausgelesen werden soll (indirekte Sprechakte und Implikaturen; Blum-Kulka, 1987; Ruytenbeek, 2019). Das bedeutet nicht, dass eine Person „besser“ und die andere „schlechter“ kommuniziert. Die eine legt wichtige Information in den Kontext, die andere sucht sie in den tatsächlich gesprochenen Worten. Im Arbeitsalltag steigt das Risiko, wenn zwischen den Zeilen nicht nur Stimmung oder Nuance steckt, sondern etwas Operatives: eine Frist, eine Priorität, eine Verantwortung oder eine Entscheidung.
Wie man damit umgehen kann
Helena muss nicht plötzlich hart oder kühl werden. Sie kann höflich bleiben und nur das ausdrücklich sagen, was für das Handeln entscheidend ist: „Tomasz, könntest du bitte kurz draufschauen? Ich brauche es heute bis 16 Uhr.“ Bei wichtigen Absprachen hilft es außerdem, das gemeinsame Verständnis am Ende zu bestätigen: „Also heute bis 16 Uhr, richtig?“ Das ist eine einfache Form geschlossener Kommunikation, wie sie dort genutzt wird, wo Missverständnisse teuer werden können. Die allgemeine Regel lautet: Der Ton darf weich sein, aber Frist, Priorität und Verantwortung sollten klar sein.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer hilft, diese Art von Missverständnis zu erkennen, bevor die Frist zwischen den Zeilen verschwindet. Die Diagnose kann zeigen, dass eine Person Bitten von Natur aus abschwächt, während eine andere sich stärker am wörtlichen Inhalt orientiert. Im Vergleich beider Profile kann Em genau dieses Risiko vor dem Gespräch markieren. Helena muss nicht bestimmter werden, als es zu ihr passt. Em kann ihr helfen, ihren Stil zu behalten und trotzdem den operativen Punkt klar zu sagen: „Tomasz, könntest du bitte heute bis 16 Uhr draufschauen?“ Tomasz kann umgekehrt den Hinweis bekommen, bei weich formulierten Aufgaben nach dem Termin zu fragen, statt ihn selbst zu ergänzen. Wenn dasselbe Muster im Team häufiger auftritt, zeigen Teamdaten, dass es nicht um „Schuld“ geht, sondern um einen wiederkehrenden Zusammenstoß von Kommunikationsstilen. Mikrolektionen festigen anschließend die kleine Gewohnheit, Erwartungen ausdrücklich zu machen, sodass Menschen klarer kommunizieren können, ohne ihre eigene Art aufzugeben.
Quellen und Forschung
- Shoshana Blum-Kulka (1987). Indirectness and politeness in requests: Same or different?. Journal of Pragmatics, 11(2), 131-146. https://doi.org/10.1016/0378-2166(87)90192-5 DOI: 10.1016/0378-2166(87)90192-5
- Nicolas Ruytenbeek (2019). Indirect requests, relevance, and politeness. Journal of Pragmatics, 142, 78-89. https://doi.org/10.1016/j.pragma.2019.01.007 DOI: 10.1016/j.pragma.2019.01.007
Autor: Empatyzer
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