„Ich habe geliefert. Wir haben geliefert.“ – Verantwortung und Anerkennung der Führungskraft

Abschluss eines wichtigen Projekts. Zofia präsentiert Samuel das Ergebnis, während Nia und Marek danebenstehen.

– Ich habe den Kunden abgeschlossen. Ich habe die Situation noch gedreht.
– Großartige Arbeit, Zofia – antwortet Samuel.

Zofia sagt „ich“, weil sie die Verantwortung für das Ergebnis getragen hat. Nia hört in diesem „ich“, dass Zofia sich die Arbeit des ganzen Teams zuschreibt.

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Was wirklich passiert ist

Zofia sagt „Ich habe geliefert“, weil sie als Führungskraft persönliche Verantwortung für das Ergebnis empfindet. In ihrer Sprache kann „ich“ bedeuten: „Ich habe das Risiko getragen, ich musste mich vor Samuel verantworten und ich habe dafür gesorgt, dass wir ins Ziel kommen.“ Nia hört dagegen eine Aussage über Urheberschaft: „Zofia sagt, sie habe etwas getan, das wir gemeinsam gemacht haben.“ Beide können sich auf unterschiedliche Dinge beziehen und damit jeweils einen Punkt haben. Verantwortung für ein Ergebnis und Urheberschaft der Arbeit sind nicht dasselbe, auch wenn ein einziger Satz beides leicht vermischt.

Was die Forschung dazu sagt

In Teams beeinflusst die Verteilung von Anerkennung nicht nur das Gerechtigkeitsempfinden, sondern auch spätere Motivation und Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Modelle zur öffentlichen Zurechnung von Anerkennung zeigen, dass eine zu starke Konzentration des Verdienstes auf eine einzelne Person das Verhalten des gesamten Teams verzerren und beeinflussen kann, mit wem Menschen später zusammenarbeiten möchten (credit attribution; Ozerturk & Yildirim, 2025). Forschung zur Bewertung von Führungskräften zeigt zudem, dass Beobachtende dazu neigen, Führungskräften einen zu großen Anteil am Erfolg oder Misserfolg eines Teams zuzuschreiben, selbst wenn das Ergebnis von anderen Faktoren abhing (leadership fallacy; Weber et al., 2024). Dadurch bekommen Zofias Worte zusätzliches Gewicht.

Wie man damit umgehen kann

Am besten trennt man Verantwortung und Anerkennung direkt im Satz: „Ich war für das Ergebnis verantwortlich, aber wir haben es als Team geliefert. Nia hat X gemacht, Marek Y.“ Eine Führungskraft muss nicht aus der Erfolgsgeschichte verschwinden, um die Beiträge anderer fair sichtbar zu machen. Dasselbe Prinzip sollte auch bei Misserfolgen gelten: Man sollte nicht „sie haben es vermasselt“ sagen, wenn man bei Erfolg „ich habe geliefert“ sagt. Die allgemeine Regel lautet: Eine Führungskraft kann persönliche Verantwortung übernehmen, ohne sich die gemeinsame Urheberschaft anzueignen. Ein gutes „ich“ erklärt, wofür ich verantwortlich war, und ein gutes „wir“ zeigt, wer die Arbeit tatsächlich geleistet hat.

Wie Empatyzer und Em helfen können

Empatyzer kann Zofia helfen zu erkennen, dass die Sprache der Verantwortung und die Sprache der Anerkennung nicht immer gleich klingen sollten. Das Profil einer Führungskraft kann ein starkes persönliches Verantwortungsgefühl für das Ergebnis begünstigen, während das Team seinen eigenen Beitrag und die gemeinsame Urheberschaft des Erfolgs sichtbar sehen muss. Vor einer Ergebnispräsentation kann Em eine einfache Formulierung vorschlagen: „Ich war für die Gesamtlieferung verantwortlich, aber das Ergebnis haben wir als Team erreicht – Nia hat konkret X gemacht, Marek Y …“ So bleibt Führungsverantwortung sichtbar, ohne Anerkennung zu vereinnahmen. Auf Teamebene hilft Empatyzer außerdem zu erkennen, wie stark einzelne Personen auf Status, Sichtbarkeit und Anerkennung reagieren. Mikrolektionen festigen die Regel: Verantwortung kann persönlich sein, aber Anerkennung für die Arbeit sollte dem tatsächlichen Beitrag folgen.

Quellen und Forschung

  1. Saltuk Ozerturk; Huseyin Yildirim (2025). Who gets the credit? Credit attribution, spillovers, and inefficiency in teams. Games and Economic Behavior, 154, 246-266. https://doi.org/10.1016/j.geb.2025.09.005 DOI: 10.1016/j.geb.2025.09.005
  2. Nikola Frollová; Marcel Tkáčik; Petr Houdek (2024). The leadership fallacy: How misattribution of leadership leads to a blaming game. Journal of Economic Psychology, 104, 102753. https://doi.org/10.1016/j.joep.2024.102753 DOI: 10.1016/j.joep.2024.102753

Autor: Empatyzer

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