„Noch eine Freigabe“ – Wenn Kontrolle den Handlungsspielraum nimmt
Ein Meeting nach einem früheren Problem bei der Umsetzung. Anna führt zusätzliche Sicherungen ein.
– Der Plan muss vor dem Start freigegeben werden. Das Ergebnis vor dem Versand ebenfalls.
Ein paar Tage später fragt Anna Olek nach der Verzögerung.
– Warum dauert das länger?
– Weil inzwischen jede Entscheidung in einer Warteschlange landet.
Anna will das Risiko senken. Olek bleibt für den Termin verantwortlich, aber ein Teil der Entscheidungen liegt nicht mehr bei ihm.
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Nach einem früheren Problem möchte Anna das Risiko reduzieren und führt zusätzliche Freigabepunkte ein. Aus ihrer Sicht ist das eine vernünftige Absicherung: Wenn etwas schiefging, sollte mehr Kontrolle eine Wiederholung unwahrscheinlicher machen. Olek bleibt jedoch für die Frist verantwortlich, obwohl er immer weniger Entscheidungen treffen kann, ohne auf Zustimmung zu warten. Als das Projekt langsamer wird, schaut Anna auf Oleks Ergebnis, während Olek auf die Warteschlange der Freigaben schaut. Der Kernkonflikt lautet deshalb: Kann man jemanden vollständig für ein Ergebnis verantwortlich machen, wenn sein Einfluss auf Weg und Tempo der Umsetzung reduziert wurde?
Was die Forschung dazu sagt
Die Arbeitspsychologie untersucht seit Langem nicht nur Anforderungen an Beschäftigte, sondern auch, wie viel realen Einfluss sie auf die Art der Arbeit haben – häufig als job control oder decision latitude beschrieben. Hohe Anforderungen sind besonders belastend, wenn Menschen wenig Kontrolle über die Entscheidungen haben, die zur Erfüllung dieser Anforderungen nötig sind. Das bedeutet nicht, dass Kontrolle grundsätzlich schlecht ist. In risikoreicher Arbeit kann eine zusätzliche Freigabe völlig sinnvoll sein. Das Problem entsteht, wenn eine Organisation Entscheidungsbefugnisse einschränkt, ohne Frist, Verantwortlichkeit oder erwartetes Tempo anzupassen. Dadurch können auch Rollenunklarheit und Rollenkonflikte zunehmen (Jackson & Schuler, 1985; Tubre & Collins, 2000).
Wie man damit umgehen kann
Jeder neue Kontrollpunkt sollte ein konkret benanntes Risiko verhindern. Wenn es um Kundenrisiko geht, gibt es möglicherweise keinen Grund, jede kleine technische Entscheidung zu blockieren. Auch die Zeitkosten müssen sichtbar sein: Dauert eine Freigabe einen Tag, muss dieser Tag im Zeitplan enthalten sein oder die freigebende Person braucht eine definierte Reaktionszeit. Karims Frage ist hilfreich: „Welches konkrete Risiko wollen wir mit dieser Freigabe verhindern?“ Allgemein gilt: Je weniger Entscheidungen eine Person treffen kann, obwohl sie für das Ergebnis verantwortlich bleibt, desto sorgfältiger müssen Verantwortung, Frist und Kontrolle aufeinander abgestimmt werden.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann Anna zeigen, dass zusätzliche Kontrolle nach einem Fehler gleichzeitig Risiko senken und Olek den Einfluss nehmen kann, den er für die Lieferung braucht. Der Profilvergleich kann eine Spannung zwischen dem Bedürfnis nach Kontrolle und Vorhersehbarkeit und dem Bedürfnis nach Autonomie und schnellem Handeln sichtbar machen. Bevor der Prozess geändert wird, kann Em die Führungskraft mit einer Schlüsselfrage bremsen: „Welches konkrete Risiko soll diese Freigabe verhindern?“ Wenn Kontrolle nur bei Entscheidungen mit großer Auswirkung auf den Kunden nötig ist, muss sie nicht jede kleine Handlung erfassen. Em kann das Team außerdem daran erinnern, Reaktionszeiten für Freigaben zu definieren und Fristen an die neue Warteschlange anzupassen. Teamdaten können Situationen sichtbar machen, in denen Menschen formal für Ergebnisse verantwortlich sind, praktisch aber die Kontrolle über den Weg dorthin verloren haben. Mikrolektionen festigen, dass Kontrolle am besten funktioniert, wenn sie einem klar benannten Risiko dient und Verantwortlichkeit nicht verwischt.
Quellen und Forschung
- Susan E. Jackson; Randall S. Schuler (1985). A meta-analysis and conceptual critique of research on role ambiguity and role conflict in work settings. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 36(1), 16-78. https://doi.org/10.1016/0749-5978(85)90020-2 DOI: 10.1016/0749-5978(85)90020-2
- Travis C. Tubre; Judith M. Collins (2000). Jackson and Schuler (1985) Revisited: A Meta-Analysis of the Relationships Between Role Ambiguity, Role Conflict, and Job Performance. Journal of Management, 26(1), 155–169. https://doi.org/10.1177/014920630002600104 DOI: 10.1177/014920630002600104
Autor: Empatyzer
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