„Ich kann dich unterstützen. Aber nicht immer.“ – Emotionale Grenzen im Job
Am Ende des Arbeitstags. Maja kommt an Helenas Schreibtisch vorbei.
– Hast du fünf Minuten? Ich muss das wirklich loswerden.
– Klar. Setz dich.
Am nächsten Abend bekommt Helena wieder eine lange Nachricht von Maja. Sie möchte unterstützend sein, merkt aber, wie ihr eigener Raum kleiner wird.
Für Maja ist häufiges Offenlegen ein Zeichen von Vertrauen. Für Helena wird es zunehmend zu einer Erwartung emotionaler Verfügbarkeit.
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Maja vertraut Helena und bringt ihr immer häufiger ihre Anspannung mit. Für Maja signalisiert Offenheit Nähe: „Ich erzähle dir das, weil ich mich bei dir sicher fühle.“ Helena möchte unterstützen, kann aber mit der Zeit merken, dass sie sich von der Rolle einer zugewandten Kollegin in die Rolle der Person bewegt, von der erwartet wird, Majas emotionale Balance immer wiederherzustellen. Wenn Helena schließlich eine Grenze setzt, kann Maja darin hören: „Ich will dich nicht mehr unterstützen“, obwohl Helena etwas viel Engeres meinen kann: „Ich möchte dich unterstützen können, ohne dauerhaft für deinen emotionalen Zustand verantwortlich zu werden.“ Eine gute Beziehung beantwortet nicht automatisch die Frage, wie viel emotionale Unterstützung eine Person nachhaltig geben kann.
Was die Forschung dazu sagt
Unterstützung durch Kollegen wirkt häufig schützend und kann Belastung reduzieren. Gleichzeitig kostet das wiederholte Regulieren eigener oder fremder Emotionen Aufmerksamkeit und Energie – eine Form von emotional labor. Forschung in helfenden Berufen deutet darauf hin, dass wiederholter Kontakt mit hoher emotionaler Belastung selbst anstrengend werden kann, besonders wenn Rollengrenzen unklar sind; ein aktuelles Beispiel betrifft Peer-Support-Mitarbeitende in psychiatrischen Diensten (Jabłońska et al., 2025). Das ist kein direkter Beleg für eine normale Bürofreundschaft, deshalb wäre es unangemessen, Helena als „ausgebrannt“ oder Maja als „Belastung“ zu etikettieren. Die Forschung stützt aber eine einfachere Schlussfolgerung: Unterstützung kann eine wertvolle Ressource sein, und auch die unterstützende Person hat begrenzte Ressourcen.
Wie man damit umgehen kann
Setze die Grenze, bevor sich Ärger aufbaut: „Ich möchte dir zuhören, aber heute habe ich nur zehn Minuten“ oder „Ich kann dir helfen, das durchzudenken, aber ich kann nicht jeden Tag wieder darauf zurückkommen.“ Im Arbeitskontext ist es außerdem sinnvoll, kollegiale Unterstützung von Problemen zu unterscheiden, die eine andere Art von Hilfe brauchen. Die Grenze sollte Verfügbarkeit beschreiben und nicht die Person bewerten. Allgemein gilt: Du kannst dich um jemanden kümmern, ohne ständig verfügbar zu sein, um seine Emotionen mit zu regulieren; eine gute Grenze schützt die Beziehung, statt sie aufzuheben.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann Maja und Helena helfen, die Grenze zu benennen, bevor sich die eine abgelehnt und die andere ausgelaugt fühlt. Profile können Unterschiede in Bedürfnissen nach Nähe, Unterstützung, Autonomie und im Umgang mit Spannung sichtbar machen, aber Em ist kein Therapeut und sollte die Rolle psychologischer Hilfe nicht übernehmen. Es kann jedoch ein sehr konkretes Gespräch über Verfügbarkeit vorbereiten: „Ich möchte dich unterstützen, aber ich habe nicht immer die Kapazität. Könntest du vor einem längeren Thema kurz fragen, ob ich gerade Raum dafür habe?“ Maja bekommt Klarheit, dass die Grenze keine fehlende Zuneigung bedeutet; Helena bekommt einen Weg, freundlich zu bleiben, ohne dauerhaft auf Abruf zu sein. Mikrolektionen festigen, dass eine gesunde Arbeitsbeziehung sowohl Nähe als auch klare Grenzen enthalten kann und das eine das andere nicht entwertet.
Quellen und Forschung
- Justyna Klingemann; Halina Sienkiewicz-Jarosz; Bartłomiej Molenda; Piotr Świtaj (2025). Peer Support Workers in Mental Health Services: A Qualitative Exploration of Emotional Burden, Moral Distress and Strategies to Reduce the Risk of Mental Health Crisis. Community Mental Health Journal, 61(4), 629-638. https://doi.org/10.1007/s10597-024-01370-8 DOI: 10.1007/s10597-024-01370-8
Autor: Empatyzer
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