„Gestern Kollege, heute Chef“ – wie eine Beförderung private Beziehungen verändert
Teammeeting am Montag. Samuel gibt bekannt, dass Karim ab sofort die Implementierungen leitet.
– Na dann Glückwunsch, Chef – scherzt Olek.
– Hör auf. Ich bin immer noch Karim.
Einige Tage später beginnt Olek ein vertrauliches Gespräch genau wie früher. Für ihn hat sich die Freundschaft nicht verändert; für Karim hat sich die Verantwortung für das, was er nun hört, sehr wohl verändert.
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Video auf YouTube ansehenWas wirklich passiert ist
Olek und Karim standen sich nahe, machten Witze und teilten Informationen, als sie Kollegen waren. Nach Karims Beförderung muss ihre Sympathie nicht verschwinden. Die Bedeutung mancher derselben Verhaltensweisen ändert sich jedoch. Eine Information über einen Konflikt mit einer anderen Person gelangt jetzt möglicherweise zu jemandem, der die Arbeitsleistung beurteilen kann. Ein Witz über den Chef kann sich weniger sicher anfühlen, wenn der Chef auf der anderen Seite des Tisches zugleich der frühere Kollege ist. Karim wiederum muss darauf achten, dass frühere Nähe nicht zu einer Bevorzugung Oleks wird. Die persönliche Beziehung kann emotional dieselbe bleiben, aber das Machtverhältnis ist nicht mehr dasselbe.
Was die Forschung dazu sagt
Forschung zu Beziehungen zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden zeigt, dass sich berufliche Beziehung und Freundschaft überschneiden können und dies mitunter Vertrauen und Zusammenarbeit verbessert (leader–member exchange; Yang, 2020). Gleichzeitig verändert ein Rollenwechsel Ressourcen und Risiken: Eine Person kann nun bewerten, Arbeit zuteilen, belohnen oder Informationen weitergeben. Deshalb hilft hier die Grenztheorie (boundary theory) mehr als die einfache Frage „Darf ein Chef mit einem Mitarbeitenden befreundet sein?“. Das Problem ist nicht die Nähe selbst. Das Problem ist das Ausbleiben einer Aktualisierung der Regeln, nachdem sich die Machtverteilung verändert hat.
Wie man damit umgehen kann
Nach einer Beförderung lohnt sich ein kurzes, vielleicht etwas unangenehmes, aber sehr nützliches Gespräch: Was bleibt privat? Was kann Karim nicht mehr versprechen? Wie werden Entscheidungen über Olek getroffen, und wie lässt sich Bevorzugung vermeiden? Karim sollte außerdem darauf achten, private Vertraulichkeiten in seiner neuen Vorgesetztenrolle nicht zu verwenden, sofern es keinen wichtigen Grund dafür gibt. Die allgemeine Regel lautet: Eine Beförderung muss eine Freundschaft nicht beenden, verlangt aber neue Grenzen, weil Macht die Folgen von Informationen und Verhalten verändert, selbst wenn Menschen einander weiterhin mögen.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann besonders dann nützlich sein, wenn sich eine Beziehung formal schneller verändert als emotional. Nach Karims Beförderung bleiben die Profile beider Personen gleich, aber der Kontext verändert sich: Ein Witz, ein persönliches Geständnis oder eine vertrauliche Information bedeuten zwischen zwei Kollegen nicht mehr exakt dasselbe wie zwischen Führungskraft und Mitarbeitendem. Em kann Karim auf ein Gespräch mit Olek vorbereiten und helfen, das ohne künstliche Distanz zu benennen: „Wir stehen uns immer noch nahe, aber manches, was du mir sagst, wird für mich jetzt auch zu einer Information in meiner Rolle als Chef.“ Culture-8 und Motive können zusätzlich zeigen, wie unterschiedlich beide Hierarchie und Loyalität verstehen. Mikrolektionen helfen Führungskräften, solche Veränderungen bewusst zu gestalten, sodass eine Beförderung die Beziehung nicht zerstören muss, aber eine Neuverhandlung ihrer Grenzen verlangt.
Quellen und Forschung
- Fiona X. Yang (2020). Subordinate–Supervisor Friendship in Cyberspace: A Typological and Comparative Analysis of Hotel Employees. Cornell Hospitality Quarterly, 61(3), 271-286. https://doi.org/10.1177/1938965519894246 DOI: 10.1177/1938965519894246
Autor: Empatyzer
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