Wie man auf Gerüchte am Arbeitsplatz reagiert

TL;DR: Ein Gerücht ist ein informelles Gespräch über eine abwesende Person und enthält häufig eine Bewertung. Es muss weder falsch noch ausschließlich negativ sein. Seine Bedeutung hängt vom Inhalt, von der Glaubwürdigkeit und von den Beziehungen zwischen den Beteiligten ab. Sinnvoll ist, Beobachtung und Deutung zu trennen, ungeprüfte Bewertungen nicht weiterzutragen und reale Probleme an Menschen zu richten, die sie lösen können.

Wie unterstützt Empatyzer im Umgang mit Gerüchten?

Empatyzer hilft dir, auf eine informelle Bewertung eines Kollegen zu reagieren und ein Gespräch vorzubereiten, das das Problem klärt, ohne persönliche Anschuldigungen zu verstärken.

Funktionen, die dich dabei unterstützen:

  • Gespräch mit Em über dich selbst: Hilft dir, deine Reaktion auf eine gehörte Meinung zu prüfen und Fragen nach konkreten Beobachtungen vorzubereiten.
  • Gespräch mit Em über eine konkrete Person: Hilft dir, Schwierigkeiten auf passende Weise direkt mit der betroffenen Person zu besprechen.

Bevor du einen Menschen kennenlernst, kennst du seinen Ruf

Vor dem ersten Gespräch mit deinem neuen Vorgesetzten hörst du: „Vorsicht, er mag es nicht, wenn man ihm widerspricht.“ Im Meeting schweigt er nach deinem Vorschlag lange. Du kannst das als Ablehnung deuten, obwohl er ebenso gut die Zahlen prüfen könnte. Die zuvor gehörte Aussage liefert bereits eine fertige Erklärung. Dieser Moment zeigt die Macht informeller Meinungen: Der Bericht eines anderen kann unsere Deutung eines Ereignisses prägen, bevor wir eigene Erfahrungen gesammelt haben. Der Ruf beeinflusst dann die Bedingungen, unter denen wir einen Menschen erst kennenlernen. In der Forschung wird ein Gerücht am Arbeitsplatz weiter verstanden als die umgangssprachliche Unterstellung, jemand erfinde etwas. Gemeint ist ein informelles, wertendes Gespräch über eine nicht anwesende Person. Es kann von einem Fehler ebenso handeln wie von der besonderen Integrität eines Kollegen. Wahrheitsgehalt und Ton sind getrennte Dimensionen: Ein Lob kann übertrieben sein, während eine kritische Information zutreffen und wichtig sein kann. Das Verbot, überhaupt über Abwesende zu sprechen, löst das Problem daher nicht. Organisationen müssen Wissen über Zusammenarbeit austauschen und auf beunruhigende Ereignisse reagieren. Wichtig ist auch, ob die abwesende Person ihr eigenes Verhalten in der Erzählung wiedererkennen könnte. „Wir haben vor drei Fristen keine Antwort erhalten“ ist überprüfbar. „Er hält alle anderen für wertlos“ enthält bereits eine Deutung des Motivs und ein Charakterurteil. Im lockeren Gespräch vermischen sich beide Ebenen leicht; der nächste Zuhörer erinnert sich vor allem an das starke Etikett. Arbeitet er später selbst mit der beschriebenen Person, sucht er nach Bestätigung der gehörten Meinung. Das ist ein möglicher Verlauf und kein Beweis, dass jedes Gespräch über Abwesende schadet. Dennoch sollte man den Moment erkennen, in dem die Beschreibung eines konkreten Ereignisses nicht mehr dem Verständnis des Problems dient, sondern den ganzen Menschen definiert.

Ein Gespräch mit mehreren Funktionen

Stellen wir uns vor, eine neue Mitarbeiterin fragt, warum im Meeting niemand Probleme anspricht. Eine Kollegin erzählt von einer früheren heftigen Reaktion des Chefs. Dieser Austausch kann warnen und eine ungeschriebene Norm vermitteln. Er kann auch Verbundenheit schaffen: Die Eingeweihte gehört nun „zu uns“. Zugleich kann die Geschichte die Überzeugung festigen, dass es immer zwecklos sei, sich zu äußern. Selbst ein wahres Ereignis kann eine andere Funktion annehmen, wenn es ohne Kontext und ohne Informationen über spätere Veränderungen wiederholt wird. Die Übersicht von Sun, Schilpzand und Liu ordnet Ursachen, Funktionen und Folgen von Gerüchten und berücksichtigt ihren sozialen Charakter. Entscheidend ist nicht nur die Person, über die gesprochen wird, sondern auch, wer erzählt und wer zuhört. Ihre Beziehung und der Anlass des Gesprächs verändern die Bedeutung desselben Satzes. Eine Probleminformation an jemanden, der für die Lösung zuständig ist, steht in einem anderen Kontext als dieselbe Geschichte, die zur Unterhaltung einer weiteren Gruppe dient. Diese Sichtweise ermöglicht eine Analyse des Verhaltens, ohne Menschen schlicht in Menschen, die klatschen, und solche, die angeblich nie über Abwesende sprechen, einzuteilen. Sun et al., 2023.

Wer den Preis für eine negative Geschichte zahlt

Die Metaanalyse von Wax und Kollegen umfasste 52 unabhängige Studien. Negative Gerüchte waren mit ungünstigeren individuellen, zwischenmenschlichen und organisationalen Ergebnissen verbunden als positive. Besonders nachteilige Zusammenhänge bei Einstellungen, Emotionen und Beziehungen zu Kollegen zeigten sich bei den Personen, über die gesprochen wurde. Die Autoren beschrieben auch Kosten für die Beteiligten des Austauschs und wiesen zugleich auf Grenzen bei der Bestimmung der Kausalrichtung hin. Man sollte daher nicht versprechen, dass allein das Ende des Klatsches automatisch alle Beziehungen repariert. Wax et al., 2022. Im Alltag lässt sich auch der mögliche Reputationsschaden für den Erzähler leicht nachvollziehen. Ein Zuhörer kann denken: „Wenn sie so über andere spricht, wird sie auch über mich sprechen.“ Ein kurzfristiges Gefühl der Nähe bedeutet daher nicht zwingend dauerhaftes Vertrauen. Die Person, um die es geht, kann ihre Sicht nur begrenzt erklären, weil sie oft gar nicht weiß, welche Geschichte kursiert. Mitunter zeigen erst der Verlust eines Projekts oder kühlere Kontakte die Folgen einer Darstellung, die sie nie korrigieren konnte. Informelle Informationen entfalten besondere Kraft, wenn offizielle Kanäle eine Lücke lassen. Wird eine Personalentscheidung oder Projektänderung nicht erklärt, entstehen Spekulationen, weil Menschen die Folgen für ihre Arbeit verstehen möchten. Eine Organisation kann nicht immer alle Umstände offenlegen. Sie kann aber klar sagen, was bekannt ist, was vertraulich bleiben muss und wann weitere Informationen folgen. So zu tun, als bemerkten Beschäftigte die Veränderung nicht, hilft selten. Ebenso wenig reicht ein Klatschverbot, wenn das Team keine andere Möglichkeit hat, notwendige Informationen zu erhalten. Eine gute Antwort ordnet die Kommunikation und trennt gemeinsame Belange von Privatem. Dafür muss weder jede kursierende Geschichte bestätigt noch die Situation eines einzelnen Beschäftigten öffentlich erklärt werden.

Wie man zuhört, ohne zum nächsten Übermittler zu werden

Drei Fragen helfen: Was genau ist geschehen, woher wissen wir davon und was wollen wir mit dieser Information tun? „Marek sabotiert das Projekt“ ist eine Deutung. „Marek hat die Datei nicht zum vereinbarten Termin übergeben“ beschreibt ein überprüfbares Ereignis. Diese Fragen müssen nicht wie ein Verhör klingen. Ein ruhiges „Hast du das selbst erlebt oder von jemandem gehört?“ genügt. Die Präzisierung verhindert, dass aus einem Einzelfall ein dauerhaftes Etikett wird. Geht es um mögliche Misshandlung, sollte das Gespräch nicht mit dem Vorwurf des Klatsches abgebrochen werden. Vielleicht sucht jemand gerade Hilfe oder prüft, ob seine Erfahrung ernst genommen wird. Dann besteht das Ziel darin, einen geeigneten und möglichst sicheren Handlungsweg zu finden und die Wünsche der betroffenen Person zu berücksichtigen. Anders ist eine Erzählung zu behandeln, die für die Arbeit bedeutungslos ist und nur einen abwesenden Kollegen lächerlich machen soll. Man kann sie nicht weiterführen und vorschlagen, zu dem Problem zurückzukehren, das tatsächlich gelöst werden muss.

Was eine Führungskraft tun kann

Eine Führungskraft sollte Informationslücken rund um wichtige Entscheidungen begrenzen. Wenn unklar bleibt, warum jemand befördert wurde oder das Team gewechselt hat, entsteht Raum für Vermutungen. Die Regeln zu erklären verlangt keine Offenlegung vertraulicher Daten. Es hilft aber zu zeigen, welche Kriterien galten und was die Organisation nicht kommentieren darf. Führungskräfte sollten auch mit ihren eigenen informellen Urteilen über Beschäftigte vorsichtig sein. Ihre „beiläufige Bemerkung“ wiegt schwerer als der Kommentar eines Kollegen, weil sie als Signal verstanden werden kann, wen man geringschätzen darf und wem besondere Gunst zusteht. Nach einer gehörten Geschichte sollte man außerdem die eigene Rolle prüfen. Muss ich sie weitergeben, um jemanden vor einem konkreten Risiko zu schützen, oder möchte ich nur ein interessantes Gespräch fortsetzen? Kenne ich die Quelle und kann ich die Grenzen meines Wissens benennen? Bei einem schweren Verstoß kann es richtig sein, die Fakten einer zuständigen Person zu melden, statt die Anschuldigung in der ganzen Abteilung zu verbreiten. Eine gewöhnliche Schwierigkeit in der Zusammenarbeit verlangt dagegen oft ein Gespräch mit dem Betroffenen. Der passende Weg hängt von der Art des Problems und der Sicherheit der Beteiligten ab. Verantwortungsvolles Handeln bedeutet nicht, über alles zu schweigen. Es bedeutet, notwendige Informationen möglichst zuverlässig an Menschen weiterzugeben, die etwas damit tun können.

Informelle Gespräche lassen sich nicht vollständig abschaffen, doch der Umgang mit Informationen lässt sich verändern. Gute Fragen stellen den Kontext wieder her, trennen Fakten von Bewertungen und führen dort zum Handeln, wo es erforderlich ist. Der Ruf eines Menschen sollte nicht von einer Geschichte abhängen, die mit jeder Wiederholung sicherer klingt, nur weil sie schon oft erzählt wurde.

Empatyzer im Umgang mit Gerüchten

Empatyzer kann helfen, auf ein Gespräch zu reagieren, das zunehmend auf informellen Bewertungen eines Kollegen beruht. Im Gespräch mit Em über dich selbst kann der Nutzer ordnen, was er tatsächlich gehört, was er selbst ergänzt und welches Ziel seine Reaktion hat. So lässt sich eine Frage nach einem konkreten Beispiel oder ein ruhiger Einwand gegen ein persönliches Etikett vorbereiten. Das Gespräch mit Em über eine konkrete Person kann dabei helfen, eine Schwierigkeit direkt anzusprechen, sofern dieser Kontakt in der Situation angemessen ist. Wichtig ist, die eigenen Beobachtungen zu schildern und eine gehörte Meinung nicht als feststehende Tatsache darzustellen. Em überprüft weder den Wahrheitsgehalt eines Gerüchts noch bestimmt es den Ruf eines Beschäftigten. Es ersetzt auch nicht die Klärung einer ernsthaften Meldung. Das Tool hilft bei einer Sprache, die unnötige Anschuldigungen begrenzt und den Blick auf Verhaltensweisen, Bedürfnisse und mögliche Schritte richtet. Die Verantwortung dafür, wem wir Informationen zu welchem Zweck weitergeben, bleibt beim Nutzer.

Quellen und Forschung

  1. Tianjun Sun; Pauline Schilpzand; Yihao Liu (2023). Workplace gossip: An integrative review of its antecedents, functions, and consequences. Journal of Organizational Behavior, 44(2), 311-334. https://doi.org/10.1002/job.2653 DOI: 10.1002/job.2653
  2. Amy Wax; Wiston A. Rodriguez; Raquel Asencio (2022). Spilling tea at the water cooler: A meta-analysis of the literature on workplace gossip. Organizational Psychology Review, 12(4), 453-506. https://doi.org/10.1177/20413866221112383 DOI: 10.1177/20413866221112383

Autor: Empatyzer

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