„Das war ein Geschenk“ – Bonus, Dankbarkeit und die Erwartung von Gegenseitigkeit
Treffen der gesamten Firma zum Jahresende. Anna kündigt einen außergewöhnlich hohen zusätzlichen Bonus an.
– Dieses Jahr war sehr gut. Ich wollte euch wirklich danken.
– Danke. Ich weiß das sehr zu schätzen – sagt Jonas.
Einige Tage später vermisst Anna zumindest eine symbolische Karte vom Team. Sie erlebt den Bonus als persönliche Geste der Anerkennung; Jonas als Bestandteil der Beziehung zwischen Unternehmen und Mitarbeitenden.
Was bringt dir Empatyzer?
Die eigenen Motivatoren zu kennen ist der Schlüssel, damit Arbeit Sinn ergibt und nicht nur Pflicht ist. Die Diagnose zeigt schwarz auf weiß, unter welchen Bedingungen du am besten funktionierst – und wie du darüber sprechen kannst. Dadurch wird zwischenmenschliche Kommunikation bei der Arbeit einfacher, weil andere deine Absichten besser verstehen. Em hilft dir, deine Grenzen auf natürliche Weise zu wahren.
Video auf YouTube ansehenWas wirklich passiert ist
Anna entscheidet sich für einen zusätzlichen Bonus und erlebt ihn als persönliche Anerkennung: „Ich wollte den Erfolg mit euch teilen.“ Deshalb fehlt ihr danach eine kleine Geste in die andere Richtung – selbst eine Karte. Jonas ordnet das Geld in einem anderen Rahmen ein: Der Arbeitgeber hat mehr Macht, legt Vergütung fest und vergibt Boni, daher gehört auch eine zusätzliche Auszahlung für ihn weiterhin zur Beziehung zwischen Unternehmen und Mitarbeitenden. Er bedankt sich dafür, empfindet sie aber nicht als privates Geschenk von Anna. Dieselbe Summe kann als Bestandteil der Vergütung oder als Gabe erlebt werden, die eine soziale Erwartung von Gegenseitigkeit auslöst.
Was die Forschung dazu sagt
Die Verhaltensökonomie zeigt sehr deutlich, dass ein Arbeitsverhältnis nicht ausschließlich ein kühler Tausch von „Geld gegen Arbeit“ ist. In Experimenten können zusätzliche Vergütung oder ein Geschenk des Arbeitgebers als Antwort einen höheren Arbeitseinsatz auslösen (Gabentausch, gift exchange; Fehr, Kirchsteiger & Riedl, 1998; Kube, Maréchal & Puppe, 2012). Gleichzeitig ist wichtig, wie eine Leistung dargestellt wird: In der Studie von Kube und Kollegen löste ein nicht monetäres Geschenk stärkere Reziprozität aus als ein gleichwertiger Geldbetrag, und auch die Art der Präsentation von Geld veränderte die Reaktion. Eine neuere Feldstudie aus dem Jahr 2026 trennt erneut einen gewöhnlichen leistungsbezogenen Bonus von einem monetären „Geschenk“ und zeigt, dass Menschen auf diese Formen unterschiedlich reagieren. Das passt sehr gut zu dieser Szene: Die Bedeutung von Geld hängt nicht nur von der Höhe ab, sondern auch vom sozialen Rahmen, in dem es übergeben wird.
Wie man damit umgehen kann
Ein Unternehmen sollte klar wissen, was eine Auszahlung ist. Wenn es ein Leistungsbonus ist, sollten die Kriterien genannt werden, ohne private Dankbarkeit gegenüber der Führungskraft zu erwarten. Wenn eine Führungskraft eine persönliche Geste machen möchte, kann sie einen persönlichen Brief schreiben, sich ausdrücklich bedanken oder im Rahmen der Unternehmensregeln ein kleines symbolisches Geschenk machen. Sie sollte jedoch keine unsichtbare Schuld erzeugen: „Wir haben euch Geld gegeben, also solltet ihr jetzt etwas für mich tun.“ Die allgemeine Regel lautet: Gehe in einer Beziehung, in der Macht und Vergütung eine Rolle spielen, nicht davon aus, dass eine finanzielle Leistung wie ein privates Geschenk wahrgenommen wird. Wenn du nur ein normales „Danke“ erwartest, mach dir das klar und beende den Austausch damit.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann Anna und Jonas helfen zu erkennen, dass ein Bonus gleichzeitig zwei Bedeutungen haben kann: Für die Führungskraft kann er eine Geste der Anerkennung sein, für den Mitarbeitenden ein Bestandteil der Vergütung für geleistete Arbeit. Motivatoren rund um Status, Anerkennung, Fairness und Unabhängigkeit können die Unterschiede in der Interpretation vergrößern, aber Em sollte weder in die Höhe der Vergütung eingreifen noch über Boni entscheiden. Es kann Anna jedoch helfen, die Botschaften zu trennen: „Das ist ein Leistungsbonus“ und separat „Ich bin euch für diesen Einsatz wirklich dankbar.“ So wird Dank nicht zu einer versteckten Pflicht, ein persönliches Geschenk zu erwidern. Jonas kann die Absicht wiederum besser lesen, ohne sich verschuldet zu fühlen. Mikrolektionen vermitteln, dass Anerkennung in der Beziehung zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitenden persönlich sein kann, die Regeln der Vergütung aber klar und professionell bleiben sollten.
Quellen und Forschung
- Ernst Fehr; Georg Kirchsteiger; Arno Riedl (1998). Gift exchange and reciprocity in competitive experimental markets. European Economic Review, 42(1), 1-34. https://doi.org/10.1016/S0014-2921(96)00051-7 DOI: 10.1016/S0014-2921(96)00051-7
- Sebastian Kube; Michel André Maréchal; Clemens Puppe (2012). The Currency of Reciprocity: Gift Exchange in the Workplace. American Economic Review, 102(4), 1644-1662. https://doi.org/10.1257/aer.102.4.1644 DOI: 10.1257/aer.102.4.1644
- Raoul Isselhard; Kathrin Manthei; Timo Vogelsang (2026). Performance pay, monetary gifts, and the moderating role of wage level. Management Accounting Research, 68, 100956. https://doi.org/10.1016/j.mar.2025.100956 DOI: 10.1016/j.mar.2025.100956
Autor: Empatyzer
Veröffentlicht:
Aktualisiert: