„Freiwilliges Abendessen mit dem Chef“ – Wenn eine Einladung nicht freiwillig wirkt
Feierabend. Karim lädt das gesamte Team nach der Arbeit zu einem Abendessen auf Firmenkosten ein.
– Heute geht das Essen auf die Firma. Kommt alle mit, wir machen uns einen schönen Abend.
– Klar – sagt Olek.
Karim ist überzeugt, dass die Einladung völlig freiwillig ist. Olek hatte eigene Pläne, ist aber unsicher, wie eine Absage an jemanden wirkt, der seine Arbeit bewertet.
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Karim sieht das Abendessen als nette Geste und Gelegenheit, außerhalb der Aufgaben Zeit miteinander zu verbringen. Er sagt, dass die Teilnahme freiwillig ist. Olek hat bereits private Pläne und geht trotzdem mit, weil die Einladung von der Person kommt, die seine Arbeit führt und seine Bewertung beeinflussen kann. Für Karim ist die Logik später einfach: „Du hättest doch absagen können.“ Olek sieht eine unausgesprochene Frage: „Wird ein Nein wirklich neutral behandelt?“ Dafür muss es keinerlei bewussten Loyalitätstest geben. Allein das Machtgefälle sorgt dafür, dass das Wort „freiwillig“ für die einladende und die eingeladene Person nicht dasselbe Gewicht hat.
Was die Forschung dazu sagt
In Organisationen gibt es viele Verhaltensweisen, die formal über die Aufgaben hinausgehen, aber nicht immer als vollständig freiwillig erlebt werden. Forschung zeigt, dass Beschäftigte Druck empfinden können, ein „guter Soldat“ des Unternehmens zu sein und zusätzliche Dinge zu tun, die sozial erwartet werden, obwohl sie nicht in der Stellenbeschreibung stehen (citizenship pressure; Bolino, Turnley, Gilstrap & Suazo, 2010). Diese Studie untersuchte keine Firmenessen und beweist nicht, dass jede Einladung einer Führungskraft Druck erzeugt. Als Analogie ist sie dennoch hilfreich: Sie zeigt, dass formale Freiwilligkeit und sozial erlebte Freiwilligkeit auseinanderfallen können, besonders wenn zusätzliche Aktivitäten sichtbar sind und mit Engagement verbunden werden.
Wie man damit umgehen kann
Wenn eine Veranstaltung wirklich freiwillig sein soll, sollte die Situation so gestaltet sein, dass eine Absage leicht ist. Hilfreich sind eine frühzeitige Einladung, kein „Warum kannst du nicht?“, keine Witze über Abwesende und keine spätere Bevorzugung derjenigen, die „immer dabei sind“. Eine Alternative ist, einen Teil der Teamintegration in die Arbeitszeit zu legen, sodass Teilnahme nicht mit Privatleben konkurriert. Allgemein gilt: Je mehr Macht du über eine Person hast, desto weniger reicht der Satz „Das ist freiwillig“; dein Verhalten muss zusätzlich zeigen, dass ein Nein die Bewertung dieser Person wirklich nicht verändert.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann Karim zeigen, dass sein natürlicher Weg, Teamgefühl aufzubauen – gemeinsame Zeit, lockere Beziehung und Nähe – bei Olek auf ein ebenso wichtiges Bedürfnis nach Autonomie und Schutz privater Zeit treffen kann. Das bloße „Es ist freiwillig“ beseitigt den Statusunterschied zwischen Führungskraft und Mitarbeiter nicht. Em kann Karim vor einer solchen Einladung deshalb eine Form vorschlagen, die die Kosten einer Absage tatsächlich senkt: früh einladen, nicht nach Gründen fragen und Teilnahme nicht als Loyalitätssignal behandeln. Der Profilvergleich kann Olek zugleich zeigen, dass Karims Einladung ein aufrichtiger relationaler Impuls und kein versteckter Test sein kann. Wenn ähnliche Unterschiede einen größeren Teil des Teams betreffen, helfen Gruppendaten, Teamintegration flexibler zu gestalten. Mikrolektionen erinnern Führungskräfte daran: Je größer ihre Macht, desto mehr müssen sie dafür sorgen, dass ein Nein tatsächlich sicher ist.
Quellen und Forschung
- Mark C. Bolino; William H. Turnley; J. Bruce Gilstrap; Mark M. Suazo (2010). Citizenship under pressure: What's a “good soldier” to do?. Journal of Organizational Behavior, 31(6), 835-855. https://doi.org/10.1002/job.635 DOI: 10.1002/job.635
Autor: Empatyzer
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