„Du fragst schon wieder?“ – Häufiges Feedback oder fehlende Selbstständigkeit?
An Jonas’ Schreibtisch. Olek bittet ihn erneut um eine kurze Einschätzung, ob er mit seiner Arbeit noch in die richtige Richtung geht.
– Hast du eine Minute? Sagst du mir, ob ich richtig liege?
– Klar.
– Und jetzt?
– Olek, vertraust du deinem eigenen Urteil nicht?
Olek nutzt häufiges Feedback als schnellen Lernmechanismus. Jonas beginnt in derselben Häufigkeit mangelnde Selbstständigkeit zu sehen.
Was bringt dir Empatyzer?
Jedes Feedback- oder Delegationsgespräch kann ruhiger verlaufen, wenn Hinweise auf das Profil beider Seiten abgestimmt sind. Em bewertet keine Kompetenzen, sondern schlägt Lösungen in Echtzeit vor. So sieht ein praktisches Training zur zwischenmenschlichen Kommunikation aus, das Reibung im Team spürbar reduziert.
Video auf YouTube ansehenWas wirklich passiert ist
Olek kommt mehrmals zu Jonas zurück und bittet um eine kurze Einschätzung, ob er noch auf dem richtigen Weg ist. Für Olek ist das eine effiziente Art zu lernen: Lieber nach einer Stunde eine kleine Korrektur bekommen als am Ende des Tages feststellen, dass er falsch abgebogen ist. Jonas sieht die andere Seite dieses Verhaltens. Jede weitere Frage kann wirken, als würde Olek die Verantwortung für die Bewertung an die erfahrenere Person abgeben. Jonas beginnt deshalb zu vermuten, Olek vertraue seinem eigenen Urteil nicht. Erst als Olek erklärt, warum er fragt, wird deutlich, dass beide Selbstständigkeit schätzen, aber eine gute Frequenz von Rückmeldung unterschiedlich verstehen.
Was die Forschung dazu sagt
Menschen müssen nicht passiv warten, bis jemand ihnen Feedback gibt. Sie können es aktiv suchen, um Unsicherheit zu reduzieren, Fortschritt zu prüfen und schneller zu lernen (feedback seeking; Ashford & Cummings, 1983). Spätere Forschung zeigt jedoch, dass diese Strategie sowohl Informationsvorteile als auch mögliche soziale Kosten hat: Menschen überlegen etwa, ob häufiges Nachfragen sie weniger kompetent wirken lässt (Ashford, De Stobbeleir & Nujella, 2016). Oleks Verhalten ist daher kein Beweis für Abhängigkeit, und Jonas’ Reaktion ist nicht völlig unbegründet. Entscheidend ist, ob Feedback Olek zunehmend befähigt, die Arbeit selbst zu beurteilen, oder sein eigenes Urteil tatsächlich ersetzt.
Wie man damit umgehen kann
Ein guter Kompromiss besteht darin, die Qualität der Fragen zu erhöhen und einen Rhythmus zu vereinbaren. Olek kann mit einer eigenen Hypothese kommen: „Ich würde B wählen, aus zwei Gründen. Ein Risiko sehe ich noch. Kannst du prüfen, ob ich etwas übersehe?“ Jonas sieht dann Denken statt nur die Bitte um ein Urteil. Wenn ständige Unterbrechungen teuer sind, können Fragen auch für einen kurzen täglichen Check gesammelt werden. Allgemein gilt: Feedback unterstützt Selbstständigkeit am besten, wenn es das eigene Urteil nicht ersetzt, sondern hilft, es zu kalibrieren.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann Olek und Jonas zeigen, dass die Häufigkeit von Feedbackfragen für beide unterschiedliche Funktionen hat. Olek nutzt schnelle Rücksprachen zum Lernen und zur Kurskorrektur; Jonas kann dieselbe Frequenz als Zeichen fehlenden Vertrauens in das eigene Urteil interpretieren. Diagnose und Profilvergleich erlauben Em, diese Differenz zu benennen, ohne eine Seite zu bewerten. Vor der Zusammenarbeit kann Em einen klaren Rhythmus vorschlagen: zum Beispiel ein Checkpoint nach dem ersten Versuch, danach selbstständige Arbeit bis zu einem vereinbarten Punkt. Olek bekommt weiterhin frühe Information fürs Lernen, Jonas wird nicht in permanentes Mikrokontrollieren gezogen. Auf Teamebene kann Empatyzer zeigen, ob bestimmte Personen häufiger eine schnelle Kalibrierung brauchen. Mikrolektionen vermitteln beiden Seiten: Gutes Feedback soll Selbstständigkeit erhöhen und nicht zu ihrem Ersatz werden.
Quellen und Forschung
- Susan J. Ashford; Katleen De Stobbeleir; Mrudula Nujella (2016). To Seek or Not to Seek: Is That the Only Question? Recent Developments in Feedback-Seeking Literature. Annual Review of Organizational Psychology and Organizational Behavior, 3, 213-239. https://doi.org/10.1146/annurev-orgpsych-041015-062314 DOI: 10.1146/annurev-orgpsych-041015-062314
- Susan J. Ashford; Larry L. Cummings (1983). Feedback as an individual resource: Personal strategies of creating information. Organizational Behavior and Human Performance, 32(3), 370-398. https://doi.org/10.1016/0030-5073(83)90156-3 DOI: 10.1016/0030-5073(83)90156-3
Autor: Empatyzer
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