„Ich würde dich heute nicht zur Führungskraft machen“ – Feedback oder Urteil?
Gespräch über berufliche Entwicklung. Marek sagt Anna, dass er künftig Menschen führen möchte.
– Ich möchte in Richtung Führung gehen. Was sollte ich entwickeln?
– Ehrlich? Heute würde ich dich nicht zur Führungskraft machen.
Anna beschreibt ihre heutige Einschätzung. Marek fragt sich, ob er gerade gehört hat, dass dieser Weg für ihn endgültig geschlossen ist.
Was bringt dir Empatyzer?
Feedback geben und annehmen gehört zu den schwierigeren Fähigkeiten – und es lohnt sich, sie in einem sicheren Rahmen zu lernen. Der virtuelle Coach lässt dich verschiedene Gesprächsszenarien testen, bevor es in die Realität geht. Das ist On-Demand-Training der zwischenmenschlichen Kommunikation, das Rätselraten und Angst reduziert. Du vermeidest unnötige Spannungen und baust eine Kultur des Respekts auf.
Video auf YouTube ansehenWas wirklich passiert ist
Marek fragt nach Entwicklung und hört von Anna: „Heute würde ich dich nicht zur Führungskraft machen.“ Anna spricht über ihre aktuelle Einschätzung seiner Bereitschaft. Weil Marek jedoch mit einer Person spricht, die realen Einfluss auf seine Zukunft hat, hört er sehr viel mehr: „Du bist nicht für Führung geeignet.“ Die weiteren Erklärungen kommen kaum noch an, weil der erste Satz die Bedeutung des gesamten Gesprächs verändert. Eine später schwächere Jahresbewertung verbindet sich in seinem Kopf leicht mit dieser Aussage und verstärkt den Eindruck, dass die Entscheidung über seine Zukunft längst getroffen wurde. Das Problem ist nicht, dass Anna etwas Negatives gesagt hat. Es liegt darin, dass sie die Grenze zwischen heutiger Bereitschaft und einer Bewertung des Menschen und seiner gesamten Zukunft nicht deutlich gemacht hat.
Was die Forschung dazu sagt
Feedback kann helfen, aber nicht jede Rückmeldung wirkt gleich. Eine große Metaanalyse zeigte, dass Feedback Leistung im Durchschnitt verbessert, in mehr als einem Drittel der untersuchten Fälle jedoch verschlechterte. Ein wichtiger Grund: Feedback wirkt schlechter, wenn es die Aufmerksamkeit von Aufgabe und möglicher Verbesserung auf eine globale Bewertung des Selbst lenkt (Feedback Intervention Theory; Kluger & DeNisi, 1996). In dieser Szene verstärkt Annas Machtposition den Effekt: Ihre Aussage ist nicht bloß die Meinung einer Kollegin, deshalb hat Marek einen guten Grund, sie als Signal für reale Aufstiegschancen zu verstehen. Man muss dafür keine „Überempfindlichkeit“ annehmen. Der Einsatz ist tatsächlich hoch, und der Geltungsbereich der Aussage ist unklar.
Wie man damit umgehen kann
Bei schwierigem Entwicklungsfeedback lohnt es sich, drei Dinge zu trennen: die Bewertung heute, konkrete Verhaltensweisen oder Lücken und die Bedingungen einer erneuten Bewertung. Statt nur „Ich würde dich nicht zur Führungskraft machen“ zu sagen, kann es heißen: „Heute würde ich dich aus zwei konkreten Gründen nicht für diese Rolle empfehlen: X und Y. Das sind Entwicklungsfelder, keine endgültige Entscheidung über deinen Weg. In drei Monaten schauen wir gemeinsam wieder auf diese beiden Kriterien.“ Allgemein gilt: Je mehr Einfluss du auf die Karriere eines Menschen hast, desto genauer musst du sagen, ob du die Person, eine konkrete Fähigkeit, die heutige Bereitschaft oder eine dauerhafte Grenze bewertest.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann Anna zeigen, dass ein kurzer Satz über Mareks „heutige“ Bereitschaft aufgrund ihrer Position wie ein Urteil über seine gesamte Zukunft klingen kann. Diagnose und Profilvergleich machen zwei Dinge gleichzeitig sichtbar: Annas direkten, entschlossenen Stil und die hohe Bedeutung von Status und Bewertung für Marek. Em kann vor dem Entwicklungsgespräch deshalb eine Struktur vorschlagen, die eine schwierige Wahrheit nicht verwässert, aber drei Ebenen trennt: „Wo stehst du heute?“, „Was konkret musst du entwickeln?“ und „Wann bewerten wir neu?“ So bekommt Marek Information, mit der er arbeiten kann, statt eines globalen Labels. Auf Teamebene kann Empatyzer Führungskräften zeigen, wo ihre Worte allein durch Hierarchie mehr Gewicht bekommen. Mikrolektionen verankern die Regel: Gutes Entwicklungsfeedback bewertet nicht nur den aktuellen Stand, sondern zeigt auch die Bedingungen für Veränderung.
Quellen und Forschung
- Avraham N. Kluger; Angelo DeNisi (1996). The effects of feedback interventions on performance: A historical review, a meta-analysis, and a preliminary feedback intervention theory. Psychological Bulletin, 119(2), 254–284. https://doi.org/10.1037/0033-2909.119.2.254 DOI: 10.1037/0033-2909.119.2.254
Autor: Empatyzer
Veröffentlicht:
Aktualisiert: