Wie du nach einer Beförderung mit Selbstzweifeln umgehst
TL;DR: Das Hochstaplerphänomen ist das Gefühl, andere überschätzten die eigenen Kompetenzen trotz nachweisbarer Erfolge. Es ist weder eine formale Diagnose noch ein Synonym für jede Unsicherheit. Nach einer Beförderung sollten reale Lernfelder von einer pauschalen Selbstabwertung getrennt werden. Klare Maßstäbe der neuen Rolle, konkretes Feedback und die Berücksichtigung organisationaler Bedingungen helfen.
Wie hilft Empatyzer bei der Vorbereitung auf eine neue Rolle?
Empatyzer hilft dir, deine Reaktionen nach einem Rollenwechsel zu ordnen und ein Gespräch über Erwartungen und Unterstützung vorzubereiten.
Funktionen, die dich dabei unterstützen:
- Gespräch mit Em über dich selbst: Hilft dir, eine konkrete Schwierigkeit von einem pauschalen negativen Urteil über deine Fähigkeiten zu trennen.
- Talente: Hilft dir, starke Veranlagungen als einen Ausgangspunkt für ein Entwicklungsgespräch zu benennen.
- Gespräch mit Em über eine konkrete Person: Unterstützt dich dabei, die Führungskraft nach Maßstäben und deinem Entscheidungsspielraum zu fragen.
Wenn eine Beförderung Angst statt Erleichterung bringt
Nach der Übernahme einer neuen Rolle hört eine Führungskraft Glückwünsche, denkt aber vor allem daran, wann jemand bemerken wird, dass sie nicht jede Antwort kennt. Frühere Erfolge erklärt sie mit ihrem guten Team und Glück. Jede Schwierigkeit gilt ihr als Beleg, dass die Beförderung ein Fehler war. So kann eine Erfahrung aussehen, die als Hochstaplerphänomen bezeichnet wird. Gemeint ist nicht bloß Stress vor einer neuen Aufgabe, sondern die Schwierigkeit, die eigene Kompetenz anzuerkennen, verbunden mit der Angst, das positive Bild anderer sei unverdient. Der umgangssprachliche Begriff „Hochstaplersyndrom“ klingt nach einer eigenen Diagnose; hier geht es jedoch um ein untersuchtes psychologisches Erleben. Nicht jeder unsichere Mensch nach einer Beförderung erlebt es. Eine neue Rolle verlangt tatsächlich Lernen, und bisweilen fehlen Vorbereitung oder Unterstützung. Wichtig ist die Trennung zwischen „Ich kann dieses Gespräch noch nicht führen“ und „Ich bin ungeeignet und täusche alle“. Der erste Satz kann zu einem Entwicklungsplan führen, der zweite entwertet die gesamte Erfolgsgeschichte. Nach einer Beförderung verändert sich auch die Vergleichsgruppe. Wer zuvor eine erfahrene Fachkraft war, trifft nun Menschen, die neue Aufgaben seit Jahren erledigen. Der Unterschied kann wie ein plötzlicher Kompetenzmangel wirken, obwohl er teilweise nur aus dem neuen Bezugspunkt entsteht. Zu prüfen ist, welche Fähigkeiten bereits stark sind und welche tatsächlich gelernt werden müssen. Nicht jede Sorge ist unbegründet, doch der pauschale Schluss, der gesamte Erfolg sei ein Irrtum gewesen, weist selten auf das nötige Handeln hin. Das Gespräch über eine konkrete Aufgabe trennt eine normale Einarbeitungsphase von unklaren Erwartungen und einer gefestigten Neigung, eigene Leistungen kleinzureden. Jedes dieser Probleme kann andere Unterstützung verlangen.
Was der Forschungsüberblick zeigt
Gullifor und Mitautoren analysierten die verstreute Literatur zum Hochstaplerphänomen bei der Arbeit. Sie weisen auf begriffliche Uneindeutigkeiten hin und fordern, sowohl relativ stabile Tendenzen als auch situationsabhängige Erfahrungen zu berücksichtigen. Nicht jede Reaktion darf als festes Persönlichkeitsmerkmal behandelt werden. Ein neuer Kontext, die Art der Bewertung und Beziehungen können das Gefühl, fehl am Platz zu sein, verstärken oder abschwächen. Gullifor u. a. 2024. Im Beispiel verändert die Beförderung die Kompetenzkriterien. Die Führungskraft war zuvor Expertin, soll nun die Arbeit anderer koordinieren und mit unvollständigen Informationen entscheiden. Bewertet sie sich weiterhin nach dem Grundsatz „Ein guter Mitarbeiter kennt auf jede Frage die Antwort“, liefert die neue Rolle ständig vermeintliche Misserfolgsbelege. Das Problem kann also auch ein überholter Maßstab sein. Statt alles wissen zu wollen, muss sie lernen, Prioritäten zu setzen, das Wissen des Teams zu nutzen und Situationen zu erkennen, in denen Beratung nötig ist.
Warum Erfolge nicht immer beruhigen
Ein mögliches Muster besteht darin, Erfolge den Umständen und Fehler die eigene Inkompetenz zuzuschreiben. Beschäftigte können zudem übermäßig viel Kraft in jede Aufgabe stecken und das Ergebnis anschließend als Beleg werten, dass sie ohne diese außerordentliche Mobilisierung versagen würden. Solche Abläufe sind zu prüfende Hypothesen und kein zwingender Verlauf. Die Kernfrage lautet: Nach welcher Regel deute ich Erfolge und Schwierigkeiten, und lässt diese Regel überhaupt irgendeinen Kompetenzbeleg gelten? Hilfreich ist der Blick auf konkrete Entscheidungen und Handlungen, die zum Ergebnis führten. „Ich hatte ein gutes Team“ kann stimmen, schließt den eigenen Beitrag aber nicht aus. Auch die Hilfe eines Mentors ist kein Betrug. In den meisten Berufen gehört es zur Kompetenz, Ressourcen zu nutzen und zusammenzuarbeiten. Man muss sich nicht den gesamten Erfolg zuschreiben, um den eigenen Anteil anzuerkennen. Eine faire Bewertung hält sowohl die Hilfe anderer als auch die persönliche Verantwortung für das eigene Handeln aus. Das Umfeld kann die Schwierigkeit unbeabsichtigt durch unpräzise Beruhigung verstärken. „Du bist doch großartig“ ist freundlich, beantwortet aber nicht, wie die neue Verantwortung bewältigt werden kann. Nützlicher ist die Information, was bereits gut gelingt, was noch gelernt wird und wo Beratung verfügbar ist. Ebenso darf geäußerte Unsicherheit nicht automatisch zum Entzug von Selbstständigkeit führen. Es lassen sich Bereiche für eigenständige Entscheidungen und solche vereinbaren, die vorerst gemeinsam besprochen werden. Das gibt Halt, ohne die Befürchtung zu bestätigen, für die Rolle ungeeignet zu sein. Fragen sind Teil verantwortlichen Lernens und kein Beweis für eine zufällige Beförderung.
Was du beim Einstieg in eine neue Rolle tun kannst
Vereinbare mit deiner Führungskraft, was nach dem ersten Monat, Quartal und Halbjahr erwartet wird. Welche Entscheidungen musst du bereits selbstständig treffen, und wo ist Beratung angemessen? Welche Fehler gehören zum Lernen, welche verlangen besondere Kontrolle? Solche Absprachen beseitigen Gefühle nicht, schaffen aber einen anderen Bezugspunkt als das Bild eines perfekten Beschäftigten. Bitte um Feedback zu Verhalten und Ergebnis, statt nur zu fragen: „Schaffe ich das?“ Du kannst Beispiele wirksamen Handelns und Lernfelder in zwei getrennten Kategorien notieren. Ziel ist keine Lobesliste für den Spiegel, sondern ein genaueres Kompetenzbild. Wird eine konkrete Lücke sichtbar, lässt sich Unterstützung planen. Bleibt die Selbsteinschätzung trotz unterschiedlicher Belege extrem negativ, lohnt ein breiterer Blick und bei Bedarf die Hilfe einer geeigneten Fachperson. Man muss nicht auf einen vollständigen Zusammenbruch warten, um Unterstützung zu nutzen.
Nicht alles spielt sich im Kopf des Beschäftigten ab
Eine Organisation kann Unsicherheit durch unklare Anforderungen, den Vergleich mit einem unrealistischen Ideal oder die ständige Infragestellung der Rollenberechtigung verstärken. Dann geht „Glaub an dich“ am eigentlichen Problem vorbei. Führungskräfte sollten prüfen, ob Informationen, Befugnisse und Unterstützung der Verantwortung entsprechen. Das Etikett Hochstaplersyndrom darf auch nicht dazu dienen, berechtigte Hinweise auf Ausgrenzung oder unzureichende organisationale Vorbereitung abzutun. Hilfreich kann sein, konkrete Informationen über das eigene Handeln zu sammeln, statt ein allgemeines Sicherheitsgefühl zu suchen: Was wurde erledigt, welche Entscheidung war richtig, und was hat ein Fehler gelehrt? Das soll keine Fehlerlosigkeit beweisen, sondern ein vollständigeres Bild mit Schwierigkeiten und realen Ergebnissen ermöglichen. Führt die Anspannung zu dauerhafter Überlastung, Aufgabenvermeidung oder beeinträchtigtem Alltag, sollte passende Unterstützung gesucht werden. Mehr Anstrengung allein löst das Problem nicht, wenn jeder Erfolg anschließend dem Glück zugeschrieben wird. Ziel ist nicht ständige Selbstsicherheit, sondern die Fähigkeit, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen, ohne jede Wissenslücke als Bedrohung des gesamten eigenen Werts zu behandeln.
Nach einer Beförderung kann man zugleich kompetent sein und lernen müssen. Das Hochstaplerphänomen erschwert dieses Gleichgewicht, indem es Unsicherheit in pauschale Selbstzweifel verwandelt. Klare Standards, konkretes Feedback und eine ehrliche Bewertung der Bedingungen lenken zurück zur Frage, was die neue Rolle tatsächlich verlangt.
Empatyzer bei der Vorbereitung auf eine neue Rolle
Empatyzer kann dir helfen, deine Reaktionen nach einer Beförderung zu ordnen und ein Gespräch über Erwartungen vorzubereiten. Im Gespräch mit Em über dich selbst trennst du eine konkrete Schwierigkeit von dem pauschalen Urteil, die Stelle nicht verdient zu haben. Der Bereich Talente bietet einen zusätzlichen Ausgangspunkt, um starke Veranlagungen zu benennen, ersetzt aber weder Kompetenzbelege noch eine Leistungsbewertung. Im Gespräch mit Em über eine konkrete Person kannst du Fragen an deine Führungskraft zu Maßstäben, Entscheidungsspielraum und verfügbarer Unterstützung vorbereiten. Das praktische Ergebnis ist ein Gesprächsplan für das Lernen in der neuen Rolle und kein Versprechen, jede Unsicherheit zu beseitigen. Empatyzer diagnostiziert keine Störungen und ersetzt keine psychologische Hilfe, wenn die Schwierigkeit Gesundheit oder Alltag beeinträchtigt. Es kann jedoch eine Kommunikation vorbereiten, mit der du notwendige Informationen erhältst, ohne dass die Bitte um Unterstützung als Eingeständnis von Inkompetenz erscheint.
Quellen und Forschung
- Daniel P. Gullifor; William L. Gardner; Elizabeth P. Karam; Farzaneh Noghani; Claudia C. Cogliser (2024). The impostor phenomenon at work: A systematic evidence‐based review, conceptual development, and agenda for future research. Journal of Organizational Behavior, 45(2), 234-251. https://doi.org/10.1002/job.2733 DOI: 10.1002/job.2733
Autor: Empatyzer
Veröffentlicht:
Aktualisiert: