Wie Vertrauen nach gebrochenen Absprachen wieder wächst
TL;DR: Vertrauen kann durch einen Kompetenzfehler, Unehrlichkeit oder mangelnde Rücksicht auf die andere Seite beschädigt werden. Wie es wiederhergestellt wird, hängt von der Art des Vorfalls und dem weiteren Handeln ab. Eine Entschuldigung hilft erst in Verbindung mit übernommener Verantwortung und veränderten Bedingungen. Die geschädigte Person ist nicht verpflichtet, sofort zu verzeihen oder zur früheren Offenheit zurückzukehren.
Wie hilft Empatyzer, ein vertrauensbildendes Gespräch vorzubereiten?
Empatyzer hilft dir, ein Gespräch nach einer gebrochenen Absprache vorzubereiten, Verantwortung zu benennen, die Folgen anzuerkennen und einen konkreten Schritt zur Wiedergutmachung vorzuschlagen.
Funktionen, die dich dabei unterstützen:
- Gespräch mit Em über eine konkrete Person: Hilft dir, eine passende Form der Entschuldigung zu wählen und neue Regeln für die Zusammenarbeit zu besprechen.
- Gespräch mit Em über dich selbst: Hilft dir, deine eigenen Grenzen und Erwartungen an die weitere Beziehung zu ordnen.
Ein Versprechen, das nicht mehr beruhigt
Eine Führungskraft hat zugesichert, eine persönliche Information eines Mitarbeiters nicht weiterzugeben. Eine Woche später kennt die ganze Abteilung sie. Nach ihrer Entschuldigung sagt die Führungskraft: „Du kannst mir jetzt wieder vertrauen, das kommt nicht noch einmal vor.“ Der Mitarbeiter antwortet weiterhin vorsichtig. In dieser beispielhaften Situation liegt das Problem nicht darin, dass er die Worte nicht verstanden hätte. Dieselben Zusicherungen wurden zuvor durch eine Handlung entkräftet. Die Rückkehr zu Vertrauen braucht deshalb eine neue Grundlage und nicht bloß eine nachdrücklichere Erklärung. Wer sein Sicherheitsgefühl verloren hat, versucht zu prüfen, ob sich das Risiko tatsächlich verändert hat. Vertrauen setzt die Bereitschaft voraus, sich dem Handeln der anderen Seite gegenüber verletzlich zu machen. Wir können ihr eine Information, eine Aufgabe oder ein eigenes Interesse anvertrauen, obwohl wir nicht alles kontrollieren. Nach einem Vertrauensbruch kann geringere Offenheit eine nachvollziehbare Schutzreaktion sein. Sie ist nicht automatisch ein Zeichen von Kleinlichkeit. Die Wiederherstellung sollte sich danach richten, was infrage gestellt wurde: Kompetenz, Integrität, Berechenbarkeit oder die Überzeugung, dass die andere Person unser Wohlergehen berücksichtigt. Entscheidend ist, welche Grundlage des Vertrauens verletzt wurde. Ein Fehler aus mangelndem Wissen wirft andere Fragen auf als das bewusste Verschweigen einer Information. Im ersten Fall fragt sich die betroffene Person, ob jemand die Aufgabe bewältigen kann, im zweiten, ob sie auf dessen Ehrlichkeit bauen kann. Natürlich können sich diese Zweifel verbinden. Dennoch lohnt es sich, sie zu benennen, denn die bloße Versicherung guter Absichten behebt keinen Kompetenzmangel, und eine zusätzliche Schulung erklärt keine vorsätzliche Täuschung. Der Wiederaufbau muss an der konkreten Ursache des Misstrauens ansetzen. Er lässt sich nicht auf einen einzigen richtigen Satz reduzieren, der unabhängig von der Geschichte der Beziehung, dem Ausmaß des Schadens und dem Verhalten nach dessen Bekanntwerden funktioniert.
Die Art des Fehlers bestimmt die passende Antwort
Der Überblick von Lewicki und Brinsfield untersucht verschiedene Ansätze zur Wiederherstellung von Vertrauen und die Bedingungen ihrer Wirksamkeit. Entschuldigungen, Erklärungen und Schutzmaßnahmen sind keine austauschbaren Instrumente, die nach jedem Vorfall gleich wirken. Konnte jemand eine Aufgabe nicht bewältigen, können Schulung und Qualitätskontrolle nötig sein. Hat jemand bewusst eine Absprache gebrochen, beantwortet der Nachweis größerer Fähigkeiten noch nicht die Frage nach der Ehrlichkeit. Lewicki und Brinsfield 2017. In unserem Beispiel verlangt das Vertraulichkeitsversprechen eine Erklärung dazu, wie die Information weitergegeben wurde, wer Zugriff darauf hat und wie sich ihre weitere Verbreitung begrenzen lässt. „Ich wollte dir nicht wehtun“ kann die Absicht beschreiben, beseitigt aber nicht die Folgen. Ebenso reicht bei einem Projektfehler ein allgemeines Schuldeingeständnis nicht aus, wenn der Prozess unverändert bleibt. Die Reaktion sollte auf das konkrete Risiko eingehen, das die andere Person von nun an in der Zusammenarbeit berücksichtigt.
Eine Entschuldigung muss die Verantwortung an der richtigen Stelle belassen
Eine hilfreiche Aussage benennt die Handlung, ihre Folgen und den eigenen Anteil: „Ich habe die Information trotz unserer Absprache weitergegeben. Ich verstehe, dass du dadurch die Kontrolle über eine private Angelegenheit verloren hast.“ Anschließend lässt sich erklären, was bereits getan wurde und was noch möglich ist. Weniger hilfreich sind bedingte Entschuldigungen wie: „Es tut mir leid, wenn du das so aufgefasst hast.“ Sie lenken die Aufmerksamkeit auf die Reaktion der betroffenen Person statt auf das Verhalten. Es braucht weder dramatische Gesten noch große Versprechen. Nötig sind Genauigkeit und die Bereitschaft, sich Folgen anzuhören, die zuvor übersehen wurden. Ebenso sollte nicht sofort verlangt werden, das Thema abzuschließen. „Ich habe mich entschuldigt, also hör auf, immer wieder davon anzufangen“ macht die Wiedergutmachung zur Pflicht der geschädigten Person. Sie braucht vielleicht Zeit, Informationen oder neue Grenzen. Verzeihen, Zusammenarbeit und Vertrauen sind nicht dasselbe. Aufgaben können in einem formelleren Rahmen fortgeführt werden, ohne dass die frühere Nähe sofort zurückkehrt. Diese Vorsicht kann Teil einer verantwortungsvollen Zusammenarbeit sein und ist kein Hindernis, das durch Druck beseitigt werden sollte. Eine Erklärung der Umstände kann helfen, wird aber leicht zur Rechtfertigung, wenn sie den eigenen Anteil am Geschehen ausblendet. Der Unterschied zeigt sich in der Art, wie über Verantwortung gesprochen wird. Man kann auf Zeitdruck hinweisen und zugleich anerkennen, dass eine wichtige Information nicht weitergegeben wurde. Man kann Einschränkungen beschreiben, ohne nahezulegen, die geschädigte Person dürfe keine Folgen spüren. Es lohnt sich zu fragen, was konkret verloren ging: Zeit, die Möglichkeit einer eigenen Entscheidung, das Gefühl von Berechenbarkeit oder die Glaubwürdigkeit gegenüber anderen. Erst dann kann der Vorschlag zur Wiedergutmachung das wirkliche Problem treffen. Eine allgemeine Entschuldigung für unangenehme Gefühle umgeht das Geschehene. Die Folgen anzuerkennen bedeutet nicht, jeder Deutung zustimmen zu müssen, wohl aber, sie ernsthaft zu prüfen.
Veränderung muss in späteren Situationen sichtbar werden
Der systematische Überblick von Kähkönen und Mitautoren umfasst Studien zur Wiederherstellung des Vertrauens von Beschäftigten und betont die Vielfalt der Maßnahmen und Kontexte. Für die Praxis heißt das, die Wiederherstellung als Prozess und nicht als einzelnes Gespräch zu behandeln. Entscheidend sind spätere Entscheidungen, die Übereinstimmung von Worten und Taten sowie die Möglichkeit zu prüfen, ob neue Regeln auch dann gelten, wenn ihre Einhaltung unbequem ist. Kähkönen u. a. 2021. Es lassen sich kleinere, überprüfbare Schritte vereinbaren. Nach einer versäumten Frist etwa eine frühere Meldung von Risiken und feste Kontrollpunkte. Nach einer unklaren Zuordnung von Verdiensten eine gemeinsame Darstellung der Beiträge. Nach einer Verletzung der Privatsphäre klare Regeln zur Weitergabe von Daten. Solche Sicherungen müssen kein dauerhaftes Misstrauen bedeuten. Sie können Bedingungen schaffen, unter denen die Zusammenarbeit schrittweise erprobt wird. Sie sollten jedoch verhältnismäßig und gemeinsam vereinbart sein, statt sich in eine unbegrenzte Kontrolle der Person zu verwandeln, die einen Fehler gemacht hat.
Wenn die Organisation versagt hat, reicht die Veränderung einer Person nicht
Entstand der Vertrauensbruch aus einer betrieblichen Praxis, ist eine Antwort auf Systemebene nötig. Beschäftigte können das Vertrauen in die gesamte Organisation verlieren, wenn diese ein Problem vertuscht oder Meldungen uneinheitlich behandelt. Dann wirkt eine Entschuldigung ohne veränderte Verfahren und Verantwortlichkeiten wenig glaubwürdig. Unter Wahrung der nötigen Vertraulichkeit sollte erklärt werden, was festgestellt wurde, welche Maßnahmen erfolgt sind und wie deren Wirksamkeit überprüft wird. Dass nicht alle Einzelheiten offengelegt werden können, entbindet nicht davon, über den Prozess der Wiedergutmachung selbst zu informieren. Neue Absprachen sollten beobachtbar sein. Lag das Problem in einer verspäteten Risikomeldung, lassen sich der Zeitpunkt der Meldung und der Umfang der Angaben festlegen. Betraf es die Qualität, braucht es ein Verfahren zur Prüfung der Arbeit vor ihrer Weitergabe. Außerdem sollte vereinbart werden, wie lange eine zusätzliche Sicherung gilt und wann sie bewertet wird. Andernfalls kann vorübergehende Vorsicht zu einer dauerhaften Kontrolle werden, ohne Aussicht auf wiedergewonnene Selbstständigkeit. Wer einen Vertrauensbruch erlebt hat, darf Zeit benötigen und muss nicht sofort zur früheren Nähe zurückkehren. Die Wiederherstellung der Zusammenarbeit kann einen neuen, begrenzteren Vertrauensrahmen bedeuten. Wichtig ist, ihn klar zu benennen und auf künftige Handlungen zu stützen statt auf die erzwungene Versicherung, alles sei bereits vergessen.
Vertrauen lässt sich nicht stellvertretend für die andere Person erklären. Man kann Verantwortung übernehmen, das Mögliche wiedergutmachen und überprüfbare Bedingungen für die weitere Zusammenarbeit schaffen. Zeit ist nötig, doch ihr bloßer Ablauf ersetzt keine Verhaltensänderung.
Empatyzer bei der Vorbereitung eines klärenden Gesprächs
Empatyzer kann helfen, ein Gespräch nach einer gebrochenen Absprache vorzubereiten, wenn eine Erklärung leicht in gegenseitige Verteidigung umschlägt. Im Gespräch mit Em über eine konkrete Person kann der Nutzer eine Aussage formulieren, die den eigenen Anteil, die Folgen für das Gegenüber und einen Vorschlag für das weitere Vorgehen umfasst. Das verfügbare Profil hilft, die Darstellung der Angelegenheit anzupassen, ändert aber nichts an der Verantwortung für die Fakten. Das Gespräch mit Em über dich selbst kann wiederum einer enttäuschten Person helfen, ihre Grenzen und Bedingungen für die weitere Zusammenarbeit festzulegen. Ein nützliches Ergebnis ist eine konkrete Bitte um Veränderung, die sich später überprüfen lässt. Empatyzer garantiert weder Verzeihen noch die Rückkehr zur früheren Beziehung. Es sollte nicht dazu dienen, eine überzeugendere Ausrede oder Druck für einen schnellen Abschluss der Angelegenheit vorzubereiten. Das Tool unterstützt die Struktur des Gesprächs und die Wortwahl, Vertrauen entsteht jedoch erst durch Handlungen im Zeitverlauf. Deshalb lohnt es sich, auch zu planen, wie man auf die Absprachen zurückkommt und ehrlich beurteilt, ob sie tatsächlich eingehalten werden.
Quellen und Forschung
- Roy J. Lewicki; Chad Brinsfield (2017). Trust Repair. Annual Review of Organizational Psychology and Organizational Behavior, 4(1), 287-313. https://doi.org/10.1146/annurev-orgpsych-032516-113147 DOI: 10.1146/annurev-orgpsych-032516-113147
- T. Kähkönen; K. Blomqvist; N. Gillespie; M. Vanhala (2021). Employee trust repair: A systematic review of 20 years of empirical research and future research directions. Journal of Business Research, 130, 98-109. https://doi.org/10.1016/j.jbusres.2021.03.019 DOI: 10.1016/j.jbusres.2021.03.019
Autor: Empatyzer
Veröffentlicht:
Aktualisiert: