„Warte noch ein bisschen“ – Wenn dieselbe Anweisung zwei verschiedene Enden hat

Mitten in einer laufenden Einführung. Karim bittet Jonas, einen Teil vorerst nicht anzufassen.

– Warte damit noch ein bisschen, okay?
– Okay.

Jonas wartet eine Weile und arbeitet dann weiter. Karim war überzeugt, „warte“ bedeute: „Warte, bis ich dir Bescheid sage.“

Was bringt dir Empatyzer?

Em zeigt, wie du Erwartungen an Mitarbeitende präzisieren kannst – basierend auf ihren individuellen Präferenzen und Eigenschaften. So wird zwischenmenschliche Kommunikation bei der Arbeit klarer, und du verlierst keine Zeit mit dem Warten auf Mentor-Unterstützung. Der KI-Coach bewertet deinen Fortschritt nicht und schafft damit einen komfortablen Raum, um Teambeziehungen zu verbessern.

Video auf YouTube ansehen

Was wirklich passiert ist

Karim und Jonas hören dieselben zwei Wörter, ergänzen im Kopf aber unterschiedliche Enden. Für Karim bedeutet „warte noch ein bisschen“ ungefähr: „Mach vorerst nichts, ich komme auf dich zurück und dann entscheiden wir weiter.“ Jonas hört nur die Bitte um eine kurze Verzögerung. Weil weder eine Uhrzeit noch eine Bedingung wie „bis ich mich melde“ genannt wurde, geht er nach einigen Stunden davon aus, dass das Warten beendet ist. Keiner von beiden ignoriert die Vereinbarung. Das Problem ist, dass Karim nur einen Teil der Anweisung ausgesprochen und den Rest für selbstverständlich gehalten hat. Jonas hatte keinen Zugang zu dem Satz, den Karim im Kopf ergänzt hat. Ihre Profile passen zu dieser Szene: Karim bewegt sich leichter in einem wechselnden Arbeitsrhythmus, Jonas braucht einen deutlicheren Punkt, ab dem der nächste Schritt beginnt.

Was die Forschung dazu sagt

Viele Missverständnisse bei der Arbeit entstehen nicht durch falsche, sondern durch unvollständige Informationen. Wenn Menschen nicht genau wissen, was von ihnen erwartet wird, wo eine Aufgabe endet oder wann sie handeln sollen, steigen Unsicherheit und das Risiko unterschiedlicher Auslegungen (role ambiguity; Jackson & Schuler, 1985; Tubre & Collins, 2000). Organisationskommunikation beschreibt außerdem Nachrichten, die vernünftigerweise auf mehr als eine Art verstanden werden können (equivocal messages; Putnam & Sorenson, 1982). In dieser Szene ist nicht das Wort „warten“ unklar, sondern die Bedingung, unter der das Warten endet. Die Forschung liefert keine ideale Länge für Anweisungen. Sie zeigt aber, dass bei zeit- und reihenfolgeabhängigen Aufgaben eine unausgesprochene Bedingung schnell zu unterschiedlichen Entscheidungen führt.

Wie man damit umgehen kann

Bei Anweisungen wie „warte“, „leg das vorerst beiseite“ oder „wir kommen später darauf zurück“ sollte eines von zwei Dingen ergänzt werden: ein Zeitpunkt oder ein Ereignis. Zum Beispiel: „Fass das bis 15 Uhr nicht an“ oder „Mach nichts, bis ich dir Bescheid sage; spätestens um 15 Uhr melde ich mich.“ Die andere Person kann die Lücke mit einer kurzen Frage schließen: „Soll ich eine bestimmte Zeit warten oder auf dein Signal?“ Das dauert Sekunden und beseitigt ein großes Feld für Annahmen. Allgemein gilt: Wenn eine Handlung gestoppt werden soll, muss ebenso klar sein, was sie wieder startet.

Wie Empatyzer und Em helfen können

Empatyzer kann sichtbar machen, dass Karims natürliches „Warte noch ein bisschen“ für ihn zusätzlichen Kontext und einen unausgesprochenen Fortgang enthält, während Jonas stärker auf das angewiesen ist, was explizit gesagt wurde. Durch den Profilvergleich kann Em genau vor dieser Stelle warnen: Nicht die Aufforderung zu warten ist das Problem, sondern der fehlende Auslöser, der das Warten beendet. Vor dem Gespräch kann Em Karim eine kurze Ergänzung vorschlagen: „Fass das nicht an, bis ich dir Bescheid sage; ich komme bis 15 Uhr auf dich zurück.“ Jonas kann umgekehrt die Gewohnheit entwickeln, nach dem Zeitpunkt der Wiederaufnahme zu fragen. Wenn solche Lücken im Team häufiger vorkommen, zeigen Gruppendaten, dass es nicht um „Wortklauberei“, sondern um reale Stilunterschiede geht. Mikrolektionen verankern die Regel: Jedes Stop braucht auch einen klar benannten Neustart.

Quellen und Forschung

  1. Linda L. Putnam; Ritch L. Sorenson (1982). Equivocal Messages in Organizations. Human Communication Research, 8(2), 114-132. https://doi.org/10.1111/j.1468-2958.1982.tb00659.x DOI: 10.1111/j.1468-2958.1982.tb00659.x
  2. Susan E. Jackson; Randall S. Schuler (1985). A meta-analysis and conceptual critique of research on role ambiguity and role conflict in work settings. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 36(1), 16-78. https://doi.org/10.1016/0749-5978(85)90020-2 DOI: 10.1016/0749-5978(85)90020-2
  3. Travis C. Tubre; Judith M. Collins (2000). Jackson and Schuler (1985) Revisited: A Meta-Analysis of the Relationships Between Role Ambiguity, Role Conflict, and Job Performance. Journal of Management, 26(1), 155–169. https://doi.org/10.1177/014920630002600104 DOI: 10.1177/014920630002600104

Autor: Empatyzer

Veröffentlicht:

Aktualisiert:

 

""