„Ich habe doch gesagt, dass es gut ist“ – wenn Rückversicherung Unsicherheit nicht beendet

Nach Abschluss einer Aufgabe. Maja schreibt Helena.

– Mache ich das wirklich gut genug?
– Ja. Wenn es anders wäre, würde ich es dir sagen.

Am nächsten Tag fragt Maja erneut. Helena findet, dass die gestrige Antwort weiterhin gilt; Maja braucht einen neuen Moment der Sicherheit.

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Was wirklich passiert ist

Maja fragt Helena, ob ihre Arbeit gut genug ist. Sie bekommt ein klares „Ja“ und fühlt sich eine Zeit lang tatsächlich erleichtert. Am nächsten Tag entsteht jedoch eine neue Situation und die Unsicherheit kehrt zurück. Helena sieht es anders: Wenn sie gestern gesagt hat, dass alles in Ordnung ist, sollte diese Einschätzung weiter gelten, solange sich nichts geändert hat. In der Praxis benutzen beide dieselbe Frage für unterschiedliche Zwecke. Helena behandelt die Antwort als Information über die Qualität der Arbeit. Maja nutzt sie teilweise als Möglichkeit, Unsicherheit kurzfristig zu senken. Deshalb kann dieselbe Antwort immer wieder beruhigen, ohne die Quelle des erneuten Fragens zu verändern.

Was die Forschung dazu sagt

Die Psychologie beschreibt Situationen, in denen Menschen wiederholt andere um Bestätigung von Sicherheit, Richtigkeit einer Entscheidung oder Qualität einer Beziehung bitten, obwohl sie diese Bestätigung bereits erhalten haben (excessive reassurance seeking). Forschung zeigt, dass Rückversicherung Anspannung kurzfristig reduzieren kann, die Notwendigkeit weiterer Bestätigung später aber erneut auftritt (Salkovskis & Kobori, 2015; Rector et al., 2019). Diese Studien stammen vor allem aus dem Kontext von Angst und Angststörungen. Aus ihnen darf man Maja weder diagnostizieren noch die Befunde eins zu eins auf eine normale Arbeitsbeziehung übertragen. Als Hilfsmodell sind sie dennoch nützlich, weil sie den Unterschied zwischen Information mit neuem Erkenntniswert und einer Bestätigung zeigen, die vor allem kurzfristig beruhigt.

Wie man damit umgehen kann

Statt täglich auf „Ist es immer noch gut?“ zu antworten, ist ein stabiles Informationssystem hilfreicher: konkrete Kriterien für gute Arbeit, ein regelmäßiger Feedbackzeitpunkt und eine klare Regel, wann die Führungskraft selbst ein Problem anspricht. Dann muss Maja nicht täglich die Temperatur der Beziehung messen. Helena kann sagen: „Wenn ich dir kein anderes Signal gebe, geh bitte davon aus, dass die letzte Einschätzung weiterhin gilt.“ Die allgemeine Regel lautet: Wenn dieselbe Bitte um Bestätigung ohne neue Daten wiederkehrt, sollte man nicht nur dieselbe Antwort wiederholen, sondern ein System bauen, an dem die Person selbst erkennen kann, dass alles in Ordnung ist.

Wie Empatyzer und Em helfen können

Empatyzer kann Helena und Maja helfen zu erkennen, dass ein wiederkehrendes „Ist es wirklich gut?“ weder Misstrauen gegenüber Helena noch mangelnde Kompetenz Majas bedeuten muss. Ein Profil emotionaler Reaktivität und des Bedürfnisses nach Akzeptanz kann darauf hinweisen, dass Unsicherheit Maja stärker belastet. Em sollte daraus jedoch keine Angstdiagnose machen oder eine therapeutische Rolle übernehmen. Es kann wiederholte Rückversicherung stattdessen in objektivere Kalibrierung übersetzen: „Prüfen wir drei Kriterien. Wenn sie erfüllt sind, gilt der Text als fertig und wir kommen ohne neue Information nicht erneut auf dieselbe Frage zurück.“ Helena ist dann nicht mehr die einzige Quelle kurzfristiger Erleichterung, und Maja erhält Kriterien, auf die sie selbst zurückgreifen kann. Mikrolektionen helfen, Sicherheit auf klaren Standards und eigener Einschätzung aufzubauen, statt sie immer wieder von einer anderen Person auszuleihen.

Quellen und Forschung

  1. Paul M. Salkovskis; Osamu Kobori (2015). Reassuringly calm? Self-reported patterns of responses to reassurance seeking in obsessive compulsive disorder. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 49(Pt B), 203-208. https://doi.org/10.1016/j.jbtep.2015.09.002 DOI: 10.1016/j.jbtep.2015.09.002
  2. Neil A. Rector; Danielle E. Katz; Lena C. Quilty; Judith M. Laposa; Kelsey Collimore; Tatjana Kay (2019). Reassurance seeking in obsessive compulsive disorder: Associations with obsessive beliefs, symptoms, and cognitive-behavioral therapy response. Journal of Anxiety Disorders, 67, 102109. https://doi.org/10.1016/j.janxdis.2019.102109 DOI: 10.1016/j.janxdis.2019.102109

Autor: Empatyzer

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