„Kannst du das wiederholen?“ – Wenn nicht die Aufmerksamkeit das Problem ist
Ein lautes Büro, mehrere Gespräche und Telefone gleichzeitig. Zofia gibt Tomasz schnell eine Anweisung mit mehreren Bestandteilen.
– Tomek, nimm die Kundendaten, vergleiche sie mit Q2 und schick mir die korrigierte Version.
– Kannst du den letzten Teil wiederholen?
– Das habe ich doch gerade gesagt.
Zofia beginnt zu vermuten, dass er nicht zugehört hat. Tomasz hat im Lärm schlicht nicht alles verstanden.
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Zofia nennt mehrere Punkte einer Anweisung in einer lauten Umgebung. Tomasz hört zu, aber ein Teil der Botschaft geht zwischen Hintergrundlärm, Tempo und Detailmenge verloren. Als er um Wiederholung bittet, sieht Zofia zunächst das Verhalten eines Menschen: „Das habe ich doch eben gesagt.“ Von dort ist der Schluss „Er hat nicht aufgepasst“ nur ein kleiner Schritt. Tomasz hat jedoch ein Problem mit dem Übertragungskanal, nicht mit seiner Absicht. Er hat zugehört, aber nicht die gesamte Information erfolgreich aufgenommen. Wenn er sich danach nicht mehr traut, noch einmal nachzufragen, steigt das Risiko und am Ende entsteht die falsche Version des Berichts. Die Szene zeigt eine einfache Unterscheidung: Zuhören und tatsächlich alles hören und verstehen sind nicht dasselbe.
Was die Forschung dazu sagt
Sprache in Lärm zu verstehen erfordert mehr kognitive Anstrengung. Wenn das Signal schlechter ist, muss das Gehirn mehr Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis einsetzen, um Gesagtes zu rekonstruieren – häufig als listening effort bezeichnet (Pichora-Fuller et al., 2016; Rönnberg et al., 2010). Eine systematische Übersichtsarbeit fand außerdem einen klaren Zusammenhang zwischen kognitiver Leistungsfähigkeit und Sprachverstehen im Störgeräusch. Das stützt die Annahme, dass es nicht einfach nur darum geht, sich „mehr anzustrengen und besser aufzupassen“ (Dryden et al., 2017). Das bedeutet weder, dass Tomasz ein Hörproblem hat, noch dass jede Bitte um Wiederholung an der Umgebung liegt. Es zeigt lediglich, dass Empfangsbedingungen Verhalten erzeugen können, das Beobachtende fälschlich der Person zuschreiben.
Wie man damit umgehen kann
Wenn eine Anweisung mehrere wichtige Elemente enthält, sollte man entweder den Kanal verbessern oder die Botschaft mit einer kurzen Zusammenfassung abschließen. Tomasz kann sagen: „Kunde, Q2 und Korrektur habe ich verstanden, aber den letzten Punkt nicht. Kannst du bitte nur den noch einmal sagen?“ Zofia kann nach einer wichtigen mündlichen Anweisung drei Stichpunkte im Chat schicken. Auch ein kurzes Wiederholen mit eigenen Worten funktioniert gut. Allgemein gilt: Wenn die Umgebung laut ist oder eine Botschaft aus mehreren voneinander abhängigen Elementen besteht, muss man die Qualität des Empfangs genauso bewusst gestalten wie die Qualität des Inhalts.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann Zofia helfen, Tomasz’ Bitte um Wiederholung nicht automatisch als Beleg für mangelnde Aufmerksamkeit oder Kompetenz zu deuten. Sein Profil kann auf ein starkes Bedürfnis nach Genauigkeit hinweisen, während der Kontext schlicht schwierige Bedingungen für die Informationsaufnahme zeigt. Em muss die Ursache nicht „diagnostizieren“. Es kann daran erinnern, vor einem Urteil über die Person zunächst Kanal, Lärm, Tempo und Informationsmenge zu prüfen. Zofia kann Em eine kürzere Anweisung oder die Bitte vorschlagen, Tomasz solle die drei Kernpunkte kurz mit eigenen Worten wiederholen. Tomasz wiederum kann eine einfache Formulierung bekommen, die nicht defensiv klingt: „Die ersten beiden Punkte habe ich, kannst du den dritten bitte wiederholen?“ Mikrolektionen helfen Teams, Zuhören von den Bedingungen zu unterscheiden, unter denen gutes Verstehen überhaupt möglich ist. So werden kleine Fehler seltener zu unnötigen Urteilen über Menschen.
Quellen und Forschung
- M. Kathleen Pichora-Fuller; Sophia E. Kramer; Mark A. Eckert; Brent Edwards; Benjamin W. Y. Hornsby; Larry E. Humes; Ulrike Lemke; Thomas Lunner; Mohan Matthen; Carol L. Mackersie; Graham Naylor; Natalie A. Phillips; Michael Richter; Mary Rudner; Mitchell S. Sommers; Kelly L. Tremblay; Arthur Wingfield (2016). Hearing Impairment and Cognitive Energy: The Framework for Understanding Effortful Listening (FUEL). Ear and Hearing, 37(Suppl 1), 5S-27S. https://doi.org/10.1097/AUD.0000000000000312 DOI: 10.1097/AUD.0000000000000312
- Jerker Rönnberg; Mary Rudner; Thomas Lunner; Adriana A. Zekveld (2010). When cognition kicks in: working memory and speech understanding in noise. Noise & Health, 12(49), 263-269. https://doi.org/10.4103/1463-1741.70505 DOI: 10.4103/1463-1741.70505
- Adam Dryden; Harriet A. Allen; Helen Henshaw; Antje Heinrich (2017). The Association Between Cognitive Performance and Speech-in-Noise Perception for Adult Listeners: A Systematic Literature Review and Meta-Analysis. Trends in Hearing, 21, 2331216517744675. https://doi.org/10.1177/2331216517744675 DOI: 10.1177/2331216517744675
Autor: Empatyzer
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