„Liste gegen Diagramm“ – zwei Arten, dieselbe Information zu ordnen
Nach einem Projektmeeting. Tomasz schreibt die Vereinbarungen als Abfolge der nächsten Schritte auf. Amira zeichnet dieselben Vereinbarungen als Diagramm der Abhängigkeiten.
– Das sind die Absprachen.
– Nein. Hier fehlen die Abhängigkeiten.
Nach mehreren E-Mails beginnt jeder zu vermuten, die andere Person verändere den Inhalt, obwohl ein großer Teil des Unterschieds nur in der Darstellung liegt.
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Tomasz hält die Absprachen als geordnete Liste fest. Amira stellt sie als Netz von Abhängigkeiten dar. Beide schauen auf die Version des anderen und sehen vor allem das Fehlen dessen, was ihnen selbst wichtig ist. Tomasz erkennt im Diagramm die Reihenfolge der Entscheidungen nicht. Amira erkennt aus der Liste nicht, was wovon abhängt. Mit der Zeit beginnen beide zu vermuten, dass sie auch inhaltlich uneinig sind. Erst der direkte Vergleich zeigt, dass ein großer Teil des Konflikts aus zwei Darstellungen derselben Information entstanden ist. Das Format war für beide zum Beweis dafür geworden, ob der andere „das Problem verstanden hat“.
Was die Forschung dazu sagt
Dieselbe Information kann je nach Darstellungsform unterschiedlich verarbeitet werden. Forschung zum Vergleich von Tabellen und Grafiken zeigt, dass die Wirksamkeit einer Darstellung davon abhängt, wie gut sie zu der Aufgabe passt, die jemand lösen muss – cognitive fit (Vessey, 1991). Das bedeutet nicht, dass Tomasz dauerhaft „ein Listenmensch“ und Amira „ein Diagrammmensch“ ist. Unterschiedliche Darstellungen rücken verschiedene Aspekte derselben Information in den Vordergrund: Reihenfolge, Beziehungen, Raum, Zahlen oder Ausnahmen.
Wie man damit umgehen kann
Statt ein einziges „richtiges“ Format auszuwählen, sollte man eine Brücke zwischen beiden bauen. Eine Entscheidungsliste kann neben einem einfachen Abhängigkeitsdiagramm stehen; gemeinsame Kennungen verbinden dieselben Elemente. Wenn eine Differenz auftaucht, hilft die Frage: „Sind wir beim Inhalt uneinig oder nur bei der Darstellung?“ Die allgemeine Regel lautet: Wenn zwei Versionen unterschiedlich aussehen, nimm nicht sofort an, dass unterschiedliche Dinge vereinbart wurden; übersetze zuerst die eine Darstellung in die andere.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann Tomasz und Amira helfen zu erkennen, dass der Konflikt möglicherweise gar nicht inhaltlich ist, auch wenn er sich bereits so anfühlt. Die Diagnose kann Unterschiede darin zeigen, wie Menschen Informationen strukturieren und wie viel explizite Ordnung sie brauchen. Der Profilvergleich erlaubt Em, ein gemeinsames Format vorzuschlagen, das Tomasz’ Reihenfolge mit Amiras Abhängigkeiten verbindet. Statt eines weiteren E-Mail-Wechsels kann der praktische Hinweis lauten: Legt Liste und Diagramm nebeneinander und markiert, welche Elemente sich wirklich unterscheiden. Auf Teamebene kann Empatyzer sichtbar machen, ob verschiedene Formen der Informationsdarstellung wiederholt Reibung zwischen Rollen oder Abteilungen erzeugen. Mikrolektionen helfen, dies früher zu erkennen, damit eine andere Art, dieselbe Idee aufzuschreiben, nicht automatisch als Beweis für falsches Denken gilt.
Quellen und Forschung
- Iris Vessey (1991). Cognitive Fit: A Theory-Based Analysis of the Graphs Versus Tables Literature. Decision Sciences, 22(2), 219-240. https://doi.org/10.1111/j.1540-5915.1991.tb00344.x DOI: 10.1111/j.1540-5915.1991.tb00344.x
Autor: Empatyzer
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