„Das solltest du wissen“ – Wenn Fragen plötzlich etwas kosten

Gemeinsame Arbeit an einem technischen Problem. Olek hält bei einer Entscheidung inne, bei der er unsicher ist, und fragt Jonas.

– Jonas, sollten wir hier den Schreibvorgang blockieren oder die Änderung zurückrollen?
– Das solltest du inzwischen wissen.

Jonas will Olek zum eigenständigen Denken bringen. Olek merkt sich vor allem, dass eine Frage ihn öffentlich bloßstellen kann.

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Kleine Mikrolektionen helfen, gute Gewohnheiten im natürlichen Tagesrhythmus zu festigen. Zwischenmenschliche Kommunikation bei der Arbeit wird leichter, wenn Ems Hinweise auf einer präzisen Diagnose der Verhaltensstile von Kolleginnen und Kollegen basieren. So wächst im Team das Gefühl psychologischer Sicherheit.

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Was wirklich passiert ist

Olek fragt Jonas nach einer technischen Entscheidung, weil er einen Fehler vermeiden möchte. Jonas findet, dass Olek auf diesem Niveau manche Themen bereits selbst entscheiden sollte, und sagt vor anderen: „Das solltest du inzwischen wissen.“ Seine Absicht kann sein, Selbstständigkeit anzuregen. Die Wirkung ist eine andere. Olek bekommt kein klares Kriterium dafür, wann eine Frage berechtigt ist, wohl aber das klare Signal, dass das Fragen selbst Scham und eine Bewertung seiner Kompetenz kosten kann. Beim nächsten Problem schweigt er. Später entsteht ein Fehler, und Jonas fragt, warum Olek nicht früher gekommen sei. Olek hat genau nach der sozialen Lektion gehandelt, die er gelernt hat: „Sicherer ist es, nicht zu fragen.“

Was die Forschung dazu sagt

In Teams lernen Menschen, ob sie „Ich weiß es nicht“ sagen, um Hilfe bitten oder Zweifel äußern können, ohne sich lächerlich zu machen (psychological safety; Edmondson, 1999). Das bedeutet nicht Komfort ohne Ansprüche. Ein Team kann gleichzeitig hohe Selbstständigkeit erwarten und Bedingungen schaffen, in denen notwendige Fragen möglich bleiben. Forschung zu employee voice zeigt, dass Menschen eigene Regeln entwickeln können wie „Besser nichts sagen, wenn ich inkompetent wirken könnte“; solche Überzeugungen können später wichtige Informationen blockieren (implicit voice theories; Detert & Edmondson, 2011). Forschung zum Feedback Seeking zeigt ähnlich, dass der soziale Preis einer Frage beeinflusst, ob überhaupt gefragt wird (Ashford et al., 2016).

Wie man damit umgehen kann

Wenn Jonas mehr Selbstständigkeit will, sollte er die Bewertung der Person durch ein Handlungskriterium ersetzen. Zum Beispiel: „Prüf zuerst A und B und notiere deine eigene Empfehlung. Wenn danach zwei gleichwertige Optionen bleiben oder Kundendaten betroffen sind, komm zu mir.“ Dann weiß Olek, welche Vorarbeit vor der Frage erwartet wird und wann Rücksprache richtig ist. War die Frage tatsächlich zu grundlegend, kann man das ohne öffentliche Beschämung erklären. Allgemein gilt: Lehre Selbstständigkeit nicht dadurch, dass du die sozialen Kosten des Fragens erhöhst; lehre sie über klare Standards dafür, was jemand selbst prüfen soll und wann eine Unsicherheit eskaliert werden muss.

Wie Empatyzer und Em helfen können

Empatyzer kann Jonas früh zeigen, dass seine Absicht „Ich möchte, dass du selbst nachdenkst“ von Olek vor allem als sozialer Preis einer Frage gespeichert werden kann. Diagnose und Profilvergleich zeigen, dass Jonas Professionalität stark mit eigenständigem Denken verbindet, während Olek durch Versuche, Fragen und frühe Kurskontrolle lernt. Em kann vor einem solchen Feedback einen Satz vorschlagen, der den Anspruch erhält, aber den Hilfekanal offen lässt: „Sag zuerst, was du schon geprüft hast und welche Option du wählen würdest; dann schauen wir gemeinsam, was noch fehlt.“ So wird die Frage Teil des Denkens statt Beweis von Unwissen. Wenn Menschen im Team anfangen, Fragen zu vermeiden, können Gruppendaten das Muster früher sichtbar machen. Mikrolektionen stärken eine Kultur, in der hoher Anspruch gute Vorbereitung auf eine Frage bedeutet – nicht ein Verbot zu fragen.

Quellen und Forschung

  1. Amy C. Edmondson (1999). Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams. Administrative Science Quarterly, 44(2), 350-383. https://doi.org/10.2307/2666999 DOI: 10.2307/2666999
  2. Susan J. Ashford; Katleen De Stobbeleir; Mrudula Nujella (2016). To Seek or Not to Seek: Is That the Only Question? Recent Developments in Feedback-Seeking Literature. Annual Review of Organizational Psychology and Organizational Behavior, 3, 213-239. https://doi.org/10.1146/annurev-orgpsych-041015-062314 DOI: 10.1146/annurev-orgpsych-041015-062314
  3. James R. Detert; Amy C. Edmondson (2011). Implicit Voice Theories: Taken-for-Granted Rules of Self-Censorship at Work. Academy of Management Journal, 54(3), 461-488. https://doi.org/10.5465/amj.2011.61967925 DOI: 10.5465/amj.2011.61967925

Autor: Empatyzer

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