„Ich bin wütend“ – Emotionen im Job und Professionalität

Nach einem schweren Fehler im Projekt. Zofia schreibt eine E-Mail an das Team.

– Ich bin wütend, dass dieses Problem nicht früher gemeldet wurde.
– Ich würde eher schreiben „Ich bin ernsthaft besorgt“ – sagt Helena.

Zofia glaubt, die Emotion lediglich ehrlich zu benennen. Helena findet, Professionalität verlange, ihre Intensität sprachlich zu reduzieren.

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Was wirklich passiert ist

Zofia findet, dass sie sagen darf, sie sei wütend, solange sie damit keinen Menschen angreift. Helena hat eine andere Definition von Professionalität: Starke Emotionen sollten bei der Arbeit sprachlich abgeschwächt werden, damit die Beziehung nicht weiter aufgeheizt wird. Beide verstehen den Unterschied zwischen Emotion und Verhalten, ziehen die Grenze aber an einer anderen Stelle. Für Zofia erhöht das Wort „wütend“ die Transparenz. Für Helena verändert bereits das starke Wort selbst die Atmosphäre des Gesprächs.

Was die Forschung dazu sagt

Organisationsforschung zeigt, dass es am Arbeitsplatz erlernte Regeln dafür gibt, welche Emotionen man „zeigen darf“ und wie stark (emotion display rules; Kramer & Hess, 2002). Wut auszudrücken ist nicht automatisch schädlich. Studien realer Arbeitsbeziehungen zeigen, dass strategisch geäußerte Wut Zusammenarbeit manchmal sogar unterstützen kann, besonders wenn die Beziehung zugleich positive Emotionen enthält und die Botschaft nicht zum persönlichen Angriff wird (Peralta, Saldanha & Lopes, 2020). Gleichzeitig hängt die Bewertung von Wut von Status, Geschlecht und Situation ab, sodass derselbe Ausdruck nicht bei allen Menschen gleich beurteilt wird (Brescoll & Uhlmann, 2008). Die Forschung sagt daher nicht „Wut darf man nicht zeigen“, sondern dass ihre Bedeutung von Form und Kontext abhängt.

Wie man damit umgehen kann

Hilfreich ist die Trennung von drei Dingen: Emotion, Tatsache und Erwartung. „Ich bin wütend, dass das Problem nicht gemeldet wurde. Ich brauche heute die vollständigen Daten und einen Korrekturplan“ ist deutlich klarer als ein bloßes „Ich bin stinksauer“ oder ein „Ich bin etwas besorgt“, wenn das nicht stimmt. Die Emotion sollte jedoch weder als Drohung noch als Bewertung der Person eingesetzt werden. Die allgemeine Regel lautet: Eine Emotion darf direkt benannt werden, aber professionelle Kommunikation sollte genauso klar sagen, was passiert ist und was als Nächstes geschehen soll.

Wie Empatyzer und Em helfen können

Empatyzer kann Zofia und Helena zeigen, dass sie sich nicht nur im „Temperament“ unterscheiden, sondern auch in ihrer Norm dafür, wie viel Emotion direkt in berufliche Kommunikation gehört. Persönlichkeitsprofile können Unterschiede in Durchsetzungsfähigkeit, Verträglichkeit und Reaktivität sichtbar machen, Culture-8 Unterschiede in Ausdruck und Direktheit. Em kann Zofia helfen, ehrlich zu bleiben, ohne die Beziehungskosten unnötig zu erhöhen: „Ich bin wütend, weil der Termin verfehlt wurde. Jetzt brauche ich Klarheit darüber, was wir als Nächstes tun.“ Helena kann Em helfen, das bloße Benennen einer Emotion nicht als Angriff zu behandeln, solange die Botschaft bei Fakten und konkreter Bitte bleibt. Mikrolektionen vermitteln die einfache Trennung: Eine Emotion darf genannt werden, muss aber weder die Bewertung des Menschen noch die Art der Entscheidung übernehmen.

Quellen und Forschung

  1. Michael W. Kramer; Jon A. Hess (2002). Communication Rules for the Display of Emotions in Organizational Settings. Management Communication Quarterly, 16(1), 66-80. https://doi.org/10.1177/0893318902161003 DOI: 10.1177/0893318902161003
  2. Carlos Ferreira Peralta; Maria Francisca Saldanha; Paulo N. Lopes (2020). Emotional expression at work: The effects of strategically expressing anger and positive emotions in the context of ongoing relationships. Human Relations, 73(11), 1471-1503. https://doi.org/10.1177/0018726719871995 DOI: 10.1177/0018726719871995
  3. Victoria L. Brescoll; Eric Luis Uhlmann (2008). Can an Angry Woman Get Ahead? Status Conferral, Gender, and Expression of Emotion in the Workplace. Psychological Science, 19(3), 268-275. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2008.02079.x DOI: 10.1111/j.1467-9280.2008.02079.x

Autor: Empatyzer

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