„Okay … aber wann?“ – Gespräche mit einer klaren Entscheidung beenden
Ein Gespräch über die Verschiebung eines Termins. Samuel denkt laut und geht mehrere mögliche Varianten durch.
– Donnerstag müsste eigentlich gehen, außer der Kunde verschiebt den Termin, dann Freitag, aber wenn …
– Okay – antwortet Tomasz.
Samuel beendet das Gespräch in der Überzeugung, dass Freitag vereinbart wurde. Tomasz notiert Donnerstag.
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Samuel denkt laut und wechselt in einer Erklärung durch mehrere mögliche Terminvarianten. Er selbst weiß, welche Version am Ende in seinem Kopf geblieben ist. Tomasz hört dagegen alle Möglichkeiten nacheinander und ist nicht sicher, welche davon zur Entscheidung geworden ist. Statt nachzufragen, sagt er „Okay“. Samuel versteht das als Zustimmung zu Freitag; Tomasz meint nur, dass er dem Gespräch gefolgt ist. Als schließlich der falsche Tag kommt, sind beide überzeugt, die Vereinbarung sei eindeutig gewesen. Das Problem liegt nicht im Gedächtnis einer Person. Keiner hat geprüft, ob beide das Gespräch mit derselben endgültigen Entscheidung verlassen haben.
Was die Forschung dazu sagt
In Teams reicht es nicht, Informationen zu übertragen; es muss auch ein gemeinsames Bild der Situation entstehen – ein shared mental model. Forschung verbindet eine größere Übereinstimmung solcher Modelle mit besserer Koordination und Teamleistung (Mathieu et al., 2000). Deshalb werden in Umgebungen, in denen Kommunikationsfehler besonders teuer sind, Rückmeldung in eigenen Worten und eine abschließende Bestätigung genutzt – Formen der closed-loop communication. „Okay“ ist ein schwacher Beleg für gemeinsamen Inhalt, weil es „Ich höre dich“, „Ich verstehe“, „Ich stimme zu“ oder schlicht „Sprich weiter“ bedeuten kann. Es zeigt nicht, welche Variante beim Gegenüber tatsächlich als endgültige Entscheidung gespeichert wurde.
Wie man damit umgehen kann
Bei einem Termin, einer Zahl oder einer Entscheidung sollte das Gespräch mit einem Satz enden, der die finale Version enthält: „Also endgültig Freitag, 10 Uhr – stimmt das?“ Die andere Person bestätigt oder korrigiert. Bei komplexeren Absprachen kann anschließend eine Zusammenfassung in zwei Sätzen geschickt werden. Das ist keine Bürokratie, sondern schließt die Stellen, an denen mehrere Varianten sonst gleich wichtig im Gedächtnis bleiben könnten. Allgemein gilt: Eine Empfangsbestätigung ist keine Inhaltsbestätigung; wenn eine Vereinbarung wichtig ist, muss die konkrete Entscheidung bestätigt werden.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann Samuel und Tomasz zeigen, dass ein Gespräch voller Varianten für eine Person ein natürlicher Weg zur Entscheidung ist und für die andere mehrere konkurrierende „Endfassungen“ erzeugt. Samuels Profil kann auf lautes Denken und Flexibilität hinweisen, während Tomasz eher Klarheit und eine stabile Schlussfolgerung bevorzugt. Em kann vor einem ähnlichen Gespräch ein fast banal einfaches Abschlussritual vorschlagen: „Also endgültig Freitag, 10 Uhr – richtig?“ Bei wichtigeren Absprachen kann Em direkt nach dem Meeting eine schriftliche Zusammenfassung in zwei Sätzen vorbereiten. Das beschränkt Samuels freies Denken nicht, sondern trennt lediglich die Phase des Abwägens von der Phase der Entscheidung. Mikrolektionen festigen die Gewohnheit, Gespräche mit einer gemeinsamen Fassung zu beenden, sodass „Okay“ nicht bloß eine Empfangsbestätigung bleibt, sondern zu einer echten Vereinbarung wird.
Quellen und Forschung
- John E. Mathieu; Tonia S. Heffner; Gerald F. Goodwin; Eduardo Salas; Janis A. Cannon-Bowers (2000). The influence of shared mental models on team process and performance. Journal of Applied Psychology, 85(2), 273-283. https://doi.org/10.1037/0021-9010.85.2.273 DOI: 10.1037/0021-9010.85.2.273
Autor: Empatyzer
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