„Was bedeutet dieses Lächeln?“ – Emojis, die Menschen unterschiedlich lesen

Firmenchat. Olek bekommt von Helena eine kurze Nachricht: „Gute Arbeit 🙂“.

Wenig später geht er zu ihr.
– Hela, ist mit dem, was ich gemacht habe, wirklich alles okay?
– Ja. Ich habe doch „gute Arbeit“ geschrieben.

Helena hat das Emoji hinzugefügt, um das Lob wärmer wirken zu lassen. Olek kennt dasselbe Zeichen eher als kühl oder ironisch.

Was bringt dir Empatyzer?

Allgemeinplätze zu vermeiden ist entscheidend, wenn Emotionen und unterschiedliche Zusammenarbeitsstile im Spiel sind. Em hilft, sich in wenigen Augenblicken auf ein Gespräch vorzubereiten – auf Basis der vorherigen Teamdiagnose. So wird Training zur zwischenmenschlichen Kommunikation zur alltäglichen Praxis statt zu einem einmaligen Ereignis.

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Was wirklich passiert ist

Helena fügt 🙂 hinzu, um „gute Arbeit“ freundlicher zu machen. Olek kennt jedoch eine Verwendung desselben Zeichens, bei der das Lächeln kühl, ironisch oder ungefähr wie „na gut, wenn du meinst“ wirkt. Beide lesen das Symbol also entsprechend ihrer eigenen Erfahrung. Es ist nicht so, dass Helena ein „leeres Zeichen“ verschickt hat und Olek es überanalysiert. Ein Emoji funktioniert wie ein kleines Sprachelement: Seine Bedeutung hängt von Gruppe, Alter, Beziehung und Situation ab.

Was die Forschung dazu sagt

Forschung zeigt, dass das Alter sowohl die Häufigkeit der Emoji-Nutzung als auch die Leichtigkeit ihrer Interpretation beeinflusst und dass jüngere und ältere Nutzer dasselbe Zeichen unterschiedlich verstehen können (Boutet et al., 2024). Experimente zur Bedeutung lächelnder Emoji zeigen außerdem, dass die Wahrnehmung von Ironie vom Alter der sendenden Person, vom Alter der empfangenden Person und von ihrer Beziehung abhängt (Zhang et al., 2022). Daraus folgt nicht, dass man ein einfaches Wörterbuch für „Gen-Z-Emoji“ und „Emoji älterer Menschen“ erstellen kann. Die Forschung stützt eher die gegenteilige Schlussfolgerung: Die Bedeutung eines Symbols ist stark kontextabhängig und durch erlernte Nutzung geprägt.

Wie man damit umgehen kann

Bei neutralen Gesprächen kann man eine gewisse Mehrdeutigkeit akzeptieren. Bei Lob, Konflikten oder wichtigen Informationen sollte die Bedeutung jedoch nicht an einem einzelnen Emoji hängen. Aus „Gute Arbeit 🙂“ kann zum Beispiel werden: „Gute Arbeit. Ernsthaft, ich bin mit dieser Version sehr zufrieden.“ Wenn ein Symbol im Team regelmäßig Reibung erzeugt, kann man schlicht fragen, was es für die Beteiligten bedeutet. Die allgemeine Regel lautet: Je wichtiger die Botschaft, desto weniger sollte sie von einem Symbol abhängen, dessen sozialer Bedeutungswortschatz bei Sender und Empfänger unterschiedlich sein kann.

Wie Empatyzer und Em helfen können

Empatyzer kann Helena und Olek genau dort helfen, wo Intuition schnell scheitert: bei der Annahme, dass dasselbe Zeichen für alle denselben Ton hat. Psychometrie kann nicht zuverlässig sagen, was eine konkrete Person unter 🙂 versteht, aber Profil und Kontext können Unterschiede in Direktheit, Ausdruck und Kommunikationsstil sichtbar machen. Em kann Helena deshalb empfehlen, bei wichtigen Aussagen den Sinn nicht dem Emoji zu überlassen. Olek kann Em wiederum daran erinnern, statt ein Zeichen stundenlang zu analysieren, die Intention kurz zu überprüfen. Mikrolektionen können genau solche Alltagssituationen nutzen, um die Regel zu verankern, dass digitaler Ton teils gemeinsamer Code und teils lokaler Dialekt ist. Bei wichtigen Informationen sollte daher weniger geraten werden müssen.

Quellen und Forschung

  1. Isabelle Boutet; Jean-Christophe Goulet-Pelletier; Eva Sutera; Bozana Meinhardt-Injac (2024). The impact of emoji use on social perceptions: A study of age and individual differences. Computers in Human Behavior Reports, 13, 100379. https://doi.org/10.1016/j.chbr.2024.100379 DOI: 10.1016/j.chbr.2024.100379
  2. Jing Cui (2022). Respecting the Old and Loving the Young: Emoji-Based Sarcasm Interpretation Between Younger and Older Adults. Frontiers in Psychology, 13, 897153. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2022.897153 DOI: 10.3389/fpsyg.2022.897153

Autor: Empatyzer

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