„Ich habe dich doch nur begrüßt“ – Berührung, Absicht und Grenzen
Majas erster Arbeitstag nach einigen Tagen Abwesenheit. Karim freut sich, sie zu sehen, und öffnet spontan die Arme.
– Hey! Schön, dich zu sehen.
– Hey – ich mag es lieber ohne Umarmung.
Karim versteht die Umarmung als gewöhnliches Zeichen von Wärme. Maja trennt Sympathie für einen Menschen von Zustimmung zu körperlichem Kontakt.
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Die eigenen Motivatoren zu kennen ist der Schlüssel, damit Arbeit Sinn ergibt und nicht nur Pflicht ist. Die Diagnose zeigt schwarz auf weiß, unter welchen Bedingungen du am besten funktionierst – und wie du darüber sprechen kannst. Dadurch wird zwischenmenschliche Kommunikation bei der Arbeit einfacher, weil andere deine Absichten besser verstehen. Em hilft dir, deine Grenzen auf natürliche Weise zu wahren.
Video auf YouTube ansehenWas wirklich passiert ist
Karim begrüßt Maja mit einer Umarmung, weil Berührung für ihn ein normales Zeichen von Herzlichkeit ist. Er möchte keine Grenze überschreiten und sendet auch keine romantische Botschaft. Maja kann ihn mögen und gleichzeitig nicht wollen, dass Kolleginnen oder Kollegen sie umarmen. Sympathie für einen Menschen und Zustimmung zu körperlichem Kontakt sind zwei verschiedene Dinge. Wenn Karim automatisch annimmt, dass eine warme Beziehung Berührung erlaubt, und Maja ebenso automatisch davon ausgeht, dass Berührung bei der Arbeit vorherige Sicherheit braucht, kann trotz guter Absichten ein Konflikt entstehen.
Was die Forschung dazu sagt
Forschung zeigt, dass Berührung tatsächlich eine soziale Funktion erfüllt: Sie kann Unterstützung, Nähe und positive Haltung vermitteln. Gleichzeitig hängt ihre Wahrnehmung stark von Kultur, Geschlecht, Alter, Beziehung und individuellen Präferenzen ab (Remland, Jones & Brinkman, 1995; Überblick von Gallace & Spence, 2010). In organisationsbezogener Forschung wird zudem darauf hingewiesen, dass selbst gewöhnliche professionelle Berührung – Händedruck, Schulterklopfen oder High Five – je nach Person und Situation positiv oder negativ aufgenommen werden kann (Tang et al., 2023). Dass Berührung in einer Gruppe gesellschaftlich normal ist, schafft noch keine automatische Zustimmung einer konkreten Person.
Wie man damit umgehen kann
Die sicherste Regel ist banal: Wenn wir die Grenze einer Person nicht kennen, setzen wir sie nicht voraus. Man kann die Hand ausstrecken, eine Geste anbieten und die andere Person reagieren lassen; bei einer Umarmung kann man einfach fragen. Nach einem „Ich mag es lieber ohne Umarmung“ muss daraus weder ein Drama noch eine Interpretation als persönliche Ablehnung entstehen. Die allgemeine Regel lautet: Wärme lässt sich auf viele Arten ausdrücken. Körperlicher Kontakt ist nur dann ein gutes Beziehungssignal, wenn beide Seiten dasselbe Signal verwenden möchten.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann Karim helfen zu verstehen, dass Kultur und Profil zwar anzeigen können, dass Berührungsnormen unterschiedlich sind, aber nicht die Zustimmung einer konkreten Person vorhersagen können. Em sollte daher nicht sagen „Maja mag vermutlich Umarmungen“, sondern Verhalten empfehlen, das kein Raten erfordert: die andere Person Berührung initiieren lassen, fragen oder eine neutrale Begrüßung wählen. Maja kann Em helfen, eine kurze Grenze zu formulieren, ohne den Menschen zurückweisen zu müssen: „Ich mag dich, ich bevorzuge nur Begrüßungen ohne Umarmung.“ Die kulturelle Ebene hilft zu verstehen, woher Unterschiede kommen können, ersetzt aber keine individuelle Präferenz. Mikrolektionen festigen die einfache Regel: Herzlichkeit kann auf viele Arten gezeigt werden, und körperliche Nähe muss immer Raum für die Wahl der anderen Person lassen.
Quellen und Forschung
- Martin S. Remland; Tricia S. Jones; Heidi Brinkman (1995). Interpersonal Distance, Body Orientation, and Touch: Effects of Culture, Gender, and Age. The Journal of Social Psychology, 135(3), 281-297. https://doi.org/10.1080/00224545.1995.9713958 DOI: 10.1080/00224545.1995.9713958
- Pok Man Tang; Anthony C. Klotz; Joel Koopman; Elijah X. M. Wee; Yizhen Lu (2023). A theory of professional touching behavior in organizations: Implications for human resource scholars and practitioners. Research in Personnel and Human Resources Management, 41, 127-159. https://doi.org/10.1108/S0742-730120230000041006 DOI: 10.1108/S0742-730120230000041006
Autor: Empatyzer
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