„Aber ich freue mich wirklich“ – Begeisterung oder Übertreibung?
An Jonas’ Schreibtisch. Jonas übergibt Olek eine monotone Aufgabe zur Bereinigung von Daten.
– Super! Eine tolle Gelegenheit, das ganze System besser kennenzulernen.
– Das ist einfach nur Tabellenbereinigung.
Olek zeigt seine Begeisterung deutlich, um Engagement zu signalisieren. Je stärker Jonas sie hört, desto mehr fragt er sich, ob sie authentisch ist.
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Olek zeigt viel Begeisterung, weil deutlich werden soll: Die Sache ist ihm wichtig, er freut sich über die Gelegenheit und schätzt die Menschen. Jonas reagiert vorsichtiger, weil sehr starke Ausdrucksweise für ihn wie bewusstes Eindruckmachen wirken kann. Olek kann vollkommen ehrlich sein, während Jonas seinen Stil dennoch als „zu viel“ wahrnimmt. Der Konflikt dreht sich nicht darum, ob die Begeisterung echt ist. Es geht darum, welche Intensität des Ausdrucks jede Person für glaubwürdig und professionell hält.
Was die Forschung dazu sagt
Forschung zeigt, dass das sichtbare Zeigen von Leidenschaft und Energie Status, Unterstützung und berufliche Chancen erhöhen kann, weil Beobachtende darin Engagement erkennen (Jachimowicz et al., 2019). Der Nutzen hängt jedoch vom Kontext ab. Zu starke oder unpassende Ausdrucksweise kann als unauthentisch oder als bewusstes Eindrucksmanagement wahrgenommen werden (impression management). Forschung zu Emotionen bei der Arbeit betont außerdem, dass dasselbe Lächeln oder dieselbe Begeisterung aus echtem Erleben stammen oder Teil der Anpassung an eine erwartete Rolle sein kann (emotional display). Das Gegenüber hat keinen direkten Zugang zur Absicht und bewertet sie deshalb mit dem Stil, den es selbst für natürlich hält.
Wie man damit umgehen kann
Olek muss keine Kühle vorspielen, nur um zu Jonas zu passen. Er kann aber beobachten, ob seine Ausdrucksweise den Inhalt unterstützt oder beginnt, ihn zu überdecken. Jonas wiederum sollte „Das ist nicht mein Stil“ von „Das ist bestimmt unecht“ trennen. In wichtigen Situationen bleibt späteres Verhalten der beste Beleg für Motivation: Vorbereitung, Zuverlässigkeit und Qualität. Die allgemeine Regel lautet: Ausdruck ist nur ein Signal von Engagement. Ob er glaubwürdig ist, prüft man am besten daran, ob auf die Energie auch Handlung folgt.
Wie Empatyzer und Em helfen können
Empatyzer kann Olek und Jonas zeigen, dass die Intensität von Ausdruck kein zuverlässiges Maß für Authentizität ist. Das Persönlichkeitsprofil kann bei einer Person mehr Enthusiasmus und Ausdrucksstärke und bei der anderen mehr Zurückhaltung zeigen. Culture-8 kann zusätzlich Unterschiede in Normen emotionalen Ausdrucks sichtbar machen. Em kann Jonas deshalb vor der Zusammenarbeit empfehlen, Oleks Engagement nach Verhalten, Vorbereitung und Umsetzung zu beurteilen und nicht danach, ob seine Energie „zu groß“ wirkt. Olek kann Em wiederum vorschlagen, bei einem zurückhaltenderen Gegenüber schneller von Begeisterung zu konkreten nächsten Schritten überzugehen. Mikrolektionen vermitteln beiden Seiten: Laute Emotionen sind nicht automatisch Theater, und ein ruhiges Gesicht ist nicht automatisch fehlendes Engagement.
Quellen und Forschung
- Jon M. Jachimowicz; Christopher To; Shira Agasi; Stéphane Côté; Adam D. Galinsky (2019). The gravitational pull of expressing passion: When and how expressing passion elicits status conferral and support from others. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 153, 41-62. https://doi.org/10.1016/j.obhdp.2019.06.002 DOI: 10.1016/j.obhdp.2019.06.002
Autor: Empatyzer
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