„Die Frage bleibt im Kopf stecken“ – Wenn Angst das Sprechen blockiert

Büro, an Jonas’ Bildschirm. Maja formuliert lange im Kopf, bevor sie schließlich mit einer Frage zu ihm geht.

– Jonas … hier … ich weiß nicht, ob ich das richtig verstehe.
– Nein. Hier ist es genau andersherum.
– Okay.

Jonas glaubt, exakt auf die gestellte Frage geantwortet zu haben. Maja geht an ihren Schreibtisch zurück und denkt, dass sie gerade als jemand bewertet wurde, der wenig kann.

Was bringt dir Empatyzer?

Kleine Mikrolektionen helfen, gute Gewohnheiten im natürlichen Tagesrhythmus zu festigen. Zwischenmenschliche Kommunikation bei der Arbeit wird leichter, wenn Ems Hinweise auf einer präzisen Diagnose der Verhaltensstile von Kolleginnen und Kollegen basieren. So wächst im Team das Gefühl psychologischer Sicherheit.

Video auf YouTube ansehen

Was wirklich passiert ist

Bevor Maja ihre Frage stellt, führt sie ein langes Gespräch mit sich selbst: Klingt die Frage dumm? Wie viel Kontext muss sie erklären? Was wird Jonas über sie denken? Wenn sie schließlich wenige Worte sagt, sind sie für sie das Ende eines großen inneren Prozesses. Jonas hat auf diesen Prozess keinen Zugriff. Er hört nur eine kurze Frage und beantwortet ihren Inhalt. Sein „Nein, hier ist es andersherum“ ist für ihn neutrale Information. Maja fügt jedoch die Bedeutung ihres gesamten eigenen Spannungszustands hinzu: „Er hält mich sicher für inkompetent.“ Der Hauptunterschied betrifft also nicht die Empfindlichkeit der einen und die Kälte des anderen, sondern eine Informationsasymmetrie: Jeder kennt die gesamte eigene innere Geschichte und sieht nur einen kleinen Ausschnitt der inneren Geschichte des anderen.

Was die Forschung dazu sagt

Menschen können die eigene Perspektive nur schwer vollständig ausblenden, wenn sie vorhersagen wollen, wie andere ihre Worte verstehen werden (egocentric bias). Besonders gut wurde das bei E-Mails gezeigt: Absender überschätzten, wie leicht Empfänger den beabsichtigten Ton erkennen, weil sie diesen Ton beim Schreiben selbst im Kopf „hörten“ (Kruger, Epley, Parker & Ng, 2005). Majas und Jonas’ Szene ist kein E-Mail-Austausch, daher ist die Forschung hier eine Analogie und kein direkter Beweis. Der Mechanismus ist aber ähnlich: Der Absender hat Zugang zu Absicht und Vorbereitung, die der Empfänger nicht sieht. Umgekehrt kann der Empfänger der eigenen knappen Antwort viel weniger Bedeutung beimessen als die Person, die mit hoher Anspannung darauf gewartet hat.

Wie man damit umgehen kann

Maja muss Jonas nicht das gesamte Gespräch erzählen, das sie vorher im Kopf geführt hat. Es reicht, die Art der Hilfe zu benennen: „Ich brauche nicht nur eine Ja-Nein-Antwort. Ich möchte verstehen, an welcher Stelle mein Gedankengang falsch abbiegt.“ Jonas weiß dann, dass es auch ums Lernen und nicht nur ums Ergebnis geht. Auf seiner Seite hilft eine kleine Ergänzung: „Das ist eine normale Stelle für einen Denkfehler. Der Unterschied liegt hier …“ Allgemein gilt: Gehe nicht davon aus, dass die andere Person Gewicht, Kontext und Emotion sieht, die für dich offensichtlich sind; wenn sie für die Antwort wichtig sind, braucht es wenigstens ein verständliches Signal.

Wie Empatyzer und Em helfen können

Empatyzer kann Maja und Jonas zeigen, dass das Problem nicht erst mit der Antwort „Nein, hier ist es andersherum“ beginnt, sondern mit dem, was beide um diese Antwort herum hören. Jonas konzentriert sich auf sachliche Richtigkeit und bemerkt vielleicht nicht, dass eine knappe Korrektur für Maja, die stärker auf Bewertung reagiert und bereits angespannt ist, wie ein Urteil über ihre Kompetenz klingt. Em kann Jonas vor der Zusammenarbeit eine minimale Änderung vorschlagen: „Gute Frage – hier ist es aus einem Grund andersherum“, ohne die Klarheit zu verwässern. Maja kann Em helfen, die Korrektur einer Lösung von einer globalen Bewertung ihrer Person zu trennen und Fragen präziser zu formulieren. Der Profilvergleich macht den Mechanismus als Unterschied statt Charakterfehler sichtbar. Mikrolektionen trainieren Fragen und Fehlerkorrektur so, dass Information schneller wächst als die Angst vor dem Fragen selbst.

Quellen und Forschung

  1. Justin Kruger; Nicholas Epley; Jason Parker; Zhi-Wen Ng (2005). Egocentrism over e-mail: Can we communicate as well as we think?. Journal of Personality and Social Psychology, 89(6), 925-936. https://doi.org/10.1037/0022-3514.89.6.925 DOI: 10.1037/0022-3514.89.6.925

Autor: Empatyzer

Veröffentlicht:

Aktualisiert:

 

""