„Ich habe eine bessere Idee“ – wenn Unterbrechen Engagement bedeutet

Projektworkshop. Amira beginnt, eine Idee zu erklären. Mitten im Satz fällt Olek ihr ins Wort.

– Wenn der Nutzer zuerst das hier sieht …
– Warte, ich habe eine bessere Idee.

Olek entwickelt begeistert seine Version weiter. Amira klappt ihr Notizbuch zu; ihr Vorschlag hatte nie die Chance, vollständig gehört zu werden.

Was bringt dir Empatyzer?

Manchmal sind Reaktionen von Kolleginnen und Kollegen schwer zu verstehen – das führt zu Missverständnissen und Stress. Das System erklärt diese Mechanismen anhand der Diagnose, ohne jemanden in Schubladen zu stecken, und zeigt Wege zur Einigung. Du bekommst individuelles Training der zwischenmenschlichen Kommunikation genau im Krisenmoment. Statt zu raten erhältst du einen konkreten Hinweis, wie du die Stimmung entschärfst.

Video auf YouTube ansehen

Was wirklich passiert ist

Olek unterbricht, weil ihm die Idee sofort kommt und er etwas Nützliches beitragen möchte, solange der Gedanke frisch ist. Für ihn gehört spontanes Einsteigen zu lebendiger Zusammenarbeit. Amira erlebt etwas anderes: Ihr Gedankengang wird abgeschnitten, bevor jemand beurteilen kann, wohin er führt. Wenn das wiederholt passiert, kann ein einfacher Lernprozess einsetzen: Warum überhaupt anfangen zu sprechen, wenn kein Raum zum Ausreden da ist? Amiras späteres Schweigen kann für Olek wie Ideenlosigkeit wirken, obwohl sein eigener Gesprächsstil dazu beigetragen hat.

Was die Forschung dazu sagt

Darauf warten zu müssen, eine Idee einzubringen, oder im eigenen Gedankengang unterbrochen zu werden, kann sowohl Zahl als auch Vielfalt geäußerter Ideen verringern – ein Phänomen, das als production blocking bezeichnet wird (Nijstad, Stroebe & Lodewijkx, 2003). Forschung zu Employee Voice zeigt außerdem, dass Menschen ihre Entscheidung, ob sich ein Beitrag lohnt, teilweise aus früheren Reaktionen anderer ableiten (Pfrombeck et al., 2022). Das bedeutet nicht, dass jede Unterbrechung jemanden zum Schweigen bringt. Entscheidend ist das wiederholte Signal: Hat mein Beitrag eine echte Chance, bis zum Ende gehört zu werden?

Wie man damit umgehen kann

Eine erstaunlich einfache Regel hilft: Bevor du die eigene Idee einwirfst, prüfe, ob die andere Person fertig ist. „Beende deinen Gedanken, dann sage ich dir, was mir gerade eingefallen ist“ kostet nur wenige Sekunden. In Meetings kann man Ideen außerdem notieren, statt sie sofort dazwischenzurufen. Wenn jemand stiller geworden ist, sollte man eher nach den Gesprächsbedingungen fragen als sofort nach der Motivation: „Geben wir dir genug Raum, deinen Gedanken zu Ende zu führen?“ Die allgemeine Regel lautet: Schnell Mehrwert schaffen zu wollen darf nicht verhindern, dass jemand anderes den Wert der eigenen Idee überhaupt zeigen kann.

Wie Empatyzer und Em helfen können

Empatyzer kann Olek helfen zu erkennen, dass seine Geschwindigkeit und Begeisterung – normalerweise Stärken – Amira unbeabsichtigt Raum nehmen können, ihre Idee zu entwickeln. Die Diagnose kann Unterschiede im Sprechtempo und darin sichtbar machen, wie Menschen in Gespräche einsteigen. Der Profilvergleich erlaubt Em, das Risiko schon vor dem Workshop zu markieren. Für Olek kann ein einziger Hinweis reichen: „Schreib die Idee auf, unterbrich nicht, komm darauf zurück, wenn Amira fertig ist.“ Em kann Amira zugleich eine einfache Möglichkeit geben, das Wort zurückzuholen, ohne die Situation eskalieren zu lassen. Wenn dasselbe Muster mehrere Personen betrifft, können Teamdaten zeigen, ob Meetings unbeabsichtigt nur die schnellsten Sprecher belohnen. Mikrolektionen festigen eine Gewohnheit, bei der die Energie der einen Person nicht das Denken der anderen auslöscht.

Quellen und Forschung

  1. Julian Pfrombeck; Chloe Levin; Derek D. Rucker; Adam D. Galinsky (2022). The hierarchy of voice framework: The dynamic relationship between employee voice and social hierarchy. Research in Organizational Behavior, 42(Supplement), 100179. https://doi.org/10.1016/j.riob.2022.100179 DOI: 10.1016/j.riob.2022.100179
  2. Bernard A. Nijstad; Wolfgang Stroebe; Hein F. M. Lodewijkx (2003). Production blocking and idea generation: Does blocking interfere with cognitive processes?. Journal of Experimental Social Psychology, 39(6), 531-548. https://doi.org/10.1016/S0022-1031(03)00040-4 DOI: 10.1016/S0022-1031(03)00040-4

Autor: Empatyzer

Veröffentlicht:

Aktualisiert:

 

""