„Meine Leute arbeiten am härtesten“ – Lob, das eine Rangliste erzeugt

Meeting mit der gesamten Firma. Zofia bedankt sich öffentlich bei ihrem Team.

– Meine Leute arbeiten hier am härtesten. Ich bin unglaublich stolz auf sie.
– Autsch – reagiert Helena.

Zofia möchte ihr Team nur sehr stark loben. Helena hört einen Satz, der durch das Wort „am härtesten“ alle anderen Teams automatisch niedriger einordnet.

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Was wirklich passiert ist

Zofia möchte ihr Team besonders stark würdigen. Deshalb wählt sie einen Superlativ: „Sie arbeiten am härtesten.“ In diesem Moment denkt sie weder an Helena noch an andere Teams. Das Problem ist logisch: Ein „am meisten“ existiert nur im Vergleich. Wenn eine Gruppe am härtesten arbeitet, arbeiten die anderen weniger hart. Zofia spricht damit eine Rangliste aus, die sie gar nicht erstellen wollte.

Was die Forschung dazu sagt

Forschung zu sozialen Vergleichen zeigt, dass Information über den eigenen Rang Motivation und Verhalten verändert, selbst wenn sich die eigentliche Bewertung der Arbeit nicht ändert (social comparison). Experimente mit Mitarbeiterrankings zeigen, dass Ranglisten Anstrengung erhöhen können, ihre Wirkung aber davon abhängt, wie sie dargestellt werden und welche Eigenschaften die Empfänger haben (Cadsby et al., 2019). Für diese Szene braucht es jedoch kein kompliziertes Modell, um das Grundproblem zu sehen: Die Grammatik eines Superlativs führt selbst eine Vergleichsgruppe ein. Forschung hilft zu verstehen, warum auch ein unbeabsichtigter Vergleich sozial relevant werden kann, obwohl die Absicht nur Lob war.

Wie man damit umgehen kann

Man kann das eigene Team aufwerten, ohne andere abzuwerten: „Ihr habt enorme Arbeit geleistet“, „Das in einer Woche zu liefern war außergewöhnlich“, „Ich bin stolz auf Qualität und Tempo“. Wenn Teams wirklich miteinander verglichen werden sollen, sollten Daten und Kriterium ausdrücklich benannt werden. Die allgemeine Regel lautet: Lob braucht keinen Sieger. Wenn du keine Rangliste schaffen möchtest, beschreibe den Wert der Arbeit und nicht ihren Vorsprung vor unbestimmten „anderen“.

Wie Empatyzer und Em helfen können

Empatyzer kann Zofia helfen, ihr eigenes Team zu würdigen, ohne unbeabsichtigt alle anderen Teams zu ranken. Ihr Profil kann eine stärkere Orientierung an Ergebnis, Status und Wettbewerb zeigen, sodass „Meine arbeiten am härtesten“ für sie wie besonders starkes Lob und nicht wie ein Vergleich klingt. Vor einem Auftritt kann Em vorschlagen: „Benenne den konkreten Aufwand und das Ergebnis deines Teams, ohne zu behaupten, andere hätten weniger geleistet.“ Auf Organisationsebene können aggregierte Profile zudem zeigen, ob Anerkennung in der Firma häufig die Form eines Rankings zwischen Gruppen annimmt. Mikrolektionen vermitteln Führungskräften, dass Lob präziser und relational sicherer ist, wenn es sagt, was an einem Team besonders war, statt im Hintergrund jemanden Schlechteren zu benötigen.

Quellen und Forschung

  1. C. Bram Cadsby; Fei Song; Jim Engle-Warnick; Tony Fang (2019). Invoking social comparison to improve performance by ranking employees: The moderating effects of public ranking, rank pay, and individual risk attitude. Journal of Economic Psychology, 72, 64-79. https://doi.org/10.1016/j.joep.2019.02.004 DOI: 10.1016/j.joep.2019.02.004

Autor: Empatyzer

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