„Ich hatte eine Idee – ich kam nur nicht dran“ – Schweigen im Meeting

Brainstorming im Besprechungsraum. Zofia moderiert eine schnelle Diskussion, in der Menschen einander ins Wort fallen, direkt einsteigen und Ideen sofort ergänzen. Amira wartet auf einen passenden Moment.

– Okay, Ideen. Los geht’s.
– Ja! Wer noch?

Das Meeting endet, bevor Amira die drei Vorschläge ausspricht, die sie in ihr Notizbuch geschrieben hat. Zofia erinnert sich vor allem an ihr Schweigen.

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Was wirklich passiert ist

Zofia versteht schnelles Einsteigen in ein Live-Gespräch als Zeichen von Engagement. Amira versteht es als respektvoll, zu warten, bis jemand ausgesprochen hat. Wenn eine Diskussion schnell läuft und einige Personen wiederholt das Wort ergreifen, kann es für Amira schwierig sein, einen Moment zu finden, der sich legitim zum Einsteigen anfühlt. Zofia sieht Schweigen und schließt daraus auf fehlende Ideen oder wenig Beteiligung. Die Ideen sind da; das Meetingformat macht es nur schwerer, sie von jemandem zu hören, der andere nicht unterbricht. Diese Unterscheidung ist wichtig: Nur weil jemand nicht zu Wort kommt, heißt das nicht, dass er nichts zu sagen hat.

Was die Forschung dazu sagt

Wenn immer nur eine Person sprechen kann, müssen alle anderen ihre Ideen im Kopf behalten und warten. Das kann den Denkprozess stören, die Zahl der geäußerten Ideen verringern und Menschen begünstigen, denen es leichter fällt, sich das Wort zu nehmen (production blocking; Diehl & Stroebe, 1987; Nijstad, Stroebe & Lodewijkx, 2003). Daraus folgt nicht, dass jede Unterbrechung schädlich ist oder ruhigere Menschen automatisch bessere Ideen haben. Es zeigt vielmehr, dass das Format eines Meetings beeinflusst, wessen Denken besonders leicht sichtbar wird.

Wie man damit umgehen kann

Statt von allen dasselbe Verhalten zu verlangen, kann man das Format verändern. Eine Minute zum Aufschreiben von Ideen vor der Diskussion, eine Runde mit je einem Vorschlag, Beiträge im Chat oder auf einem gemeinsamen Board oder eine bewusste Einladung an Personen, die noch nicht gesprochen haben, schaffen mehrere Wege in das Gespräch. Ziel ist nicht künstlich gleiche Redezeit, sondern mehr als ein Zugang zur Diskussion. Statt Amira zu sagen „Ich brauche mehr Aktivität von dir“, könnte Zofia fragen: „Was macht es dir schwer, deine Ideen in die Diskussion einzubringen?“ Die allgemeine Regel lautet: Bevor du den Beitrag einer Person bewertest, prüfe, ob das Format ihr überhaupt einen brauchbaren Weg gibt, etwas beizutragen.

Wie Empatyzer und Em helfen können

Empatyzer kann Zofia etwas zeigen, das im Meeting selbst fast unsichtbar bleibt: Amiras Schweigen muss nicht bedeuten, dass ihr Ideen fehlen. Die Diagnose hilft, Unterschiede in Ausdrucksstärke, Geschwindigkeit beim Ergreifen des Wortes und Wohlbefinden in schnellen Gruppen zu erkennen. Der Vergleich einer Person mit dem Team kann außerdem zeigen, dass das Format bestimmte Menschen stärker belohnt als andere. Vor einem Brainstorming kann Em Zofia einfache Anpassungen empfehlen: eine Minute zum Schreiben, eine Beitragsrunde, Chat oder eine gezielte Einladung an Personen, die noch nichts gesagt haben. Amira kann Unterstützung dabei bekommen, einen Weg in ein schnelles Gespräch vorzubereiten, ohne deutlich durchsetzungsstärker werden zu müssen, als es ihr entspricht. Auf Teamebene kann Empatyzer sichtbar machen, ob „aktive“ und „ruhige“ Menschen nach nur einem Beteiligungsstil beurteilt werden. Mikrolektionen festigen eine Führungsgewohnheit: Erst mehrere Wege zur Beteiligung schaffen, dann beurteilen, wer tatsächlich etwas beizutragen hat.

Quellen und Forschung

  1. Michael Diehl; Wolfgang Stroebe (1987). Productivity loss in brainstorming groups: Toward the solution of a riddle. Journal of Personality and Social Psychology, 53(3), 497-509. https://doi.org/10.1037/0022-3514.53.3.497 DOI: 10.1037/0022-3514.53.3.497
  2. Bernard A. Nijstad; Wolfgang Stroebe; Hein F. M. Lodewijkx (2003). Production blocking and idea generation: Does blocking interfere with cognitive processes?. Journal of Experimental Social Psychology, 39(6), 531-548. https://doi.org/10.1016/S0022-1031(03)00040-4 DOI: 10.1016/S0022-1031(03)00040-4

Autor: Empatyzer

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